Nach den privaten Versicherern Axa und DBV finanziert nun auch eine gesetzliche Krankenkasse das Augenscreening von Skleo Health. Versicherte der mkk – Meine Krankenkasse – können den Augenvorsorgecheck ab sofort kostenfrei bei teilnehmenden Augenoptikbetrieben und in ausgewählten dm-Filialen nutzen. Für das Düsseldorfer Start-up ist die Vereinbarung ein weiterer Schritt beim Ausbau seines Screening-Netzwerks – ein weiteres Signal für Augenoptiker, dass solche Vorsorgeangebote immer relevanter werden.

Netzhautfotografie, künstliche Intelligenz und Facharzt: So funktioniert das Augenscreening von Skleo Health
Georg Baur vom ZEISS Eye Care Network hat es erst letztens im Gespräch verdeutlicht: Augenscreenings werden immer gefragter. Drogerieketten wie dm oder auch Filialisten sind dabei, entsprechende Konzepte flächendeckend zu etablieren. Das Thema sollten daher auch unabhängige Augenoptiker auf dem Schirm haben. Und das unterstreicht auch diese News: Als erste gesetzliche Krankenkasse nimmt die mkk nun Screenings durch den Anbieter Skleo Health auf.
Das Screening kombiniert drei Bausteine. Zunächst wird die Netzhaut fotografiert. Die Aufnahmen analysiert eine künstliche Intelligenz anhand von zwölf retinalen Markern auf mögliche Auffälligkeiten. Anschließend prüft ein Facharzt die Ergebnisse. Die Teilnehmenden erhalten einen persönlichen Ergebnisbericht. Werden Auffälligkeiten festgestellt, soll über das Skleo-Netzwerk eine zeitnahe augenärztliche Abklärung ermöglicht werden. Der Check-up selbst dauert dabei nur wenige Minuten. Wichtiger Hinweis: Es handelt sich hierbei um ein Vorsorgeangebot und nicht um eine Diagnose. Die Abklärung auffälliger Befunde bleibt der Augenheilkunde vorbehalten.

Diabetische Retinopathie früh erkennen: Warum die mkk bei Typ-2-Diabetes eine Versorgungslücke sieht
Die mkk begründet die Kostenübernahme des Netzhautscreenings vor allem mit einer Lücke bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Eine Auswertung eigener Versichertendaten ergab, dass innerhalb von 24 Monaten 68 Prozent der Versicherten mit Typ-2-Diabetes, die an einem Disease-Management-Programm (DMP) teilnahmen, eine Augenuntersuchung erhielten. Bei Versicherten außerhalb eines DMP waren es laut mkk nur 47,3 Prozent.
Das ist medizinisch relevant, denn Diabetes kann eine diabetische Retinopathie verursachen, bei der sich die Netzhaut krankhaft verändert. Diese Veränderungen können bereits bestehen, bevor Betroffene eine Einschränkung ihres Sehvermögens bemerken. Die mkk verweist in diesem Kontext auf die Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes. Laut der Leitlinie soll bei Menschen ohne bekannte Netzhautveränderungen je nach individuellem Risiko jährlich oder alle zwei Jahre eine augenärztliche Kontrolle erfolgen.
mkk-Vorständin Andrea Galle erklärt dazu: „Wir müssen Prävention neu denken: Nicht nur die Menschen müssen zur Vorsorge kommen – die Vorsorge muss auch zu den Menschen gehen.“ Mit der Kooperation will die Krankenkasse einen zusätzlichen niedrigschwelligen Zugang zur Vorsorge schaffen.
KI-Augenscreeings: Kritik und Realität
Der Anbieter Skleo Health sorgte vergangenes Jahr für Aufmerksamkeit, als bekannt wurde, dass ausgewählte dm-Filialen mit seiner Hilfe niederschwellige Augenscreenings für zunächst 14,95 € anbieten möchte. Insbesondere vom BVA wurde dies kritisiert, da Augengesundheit in fachärztliche Hand gehöre. Auch die Wettbewerbszentrale äußerte rechtliche Bedenken und kündigte an, die Durchführung des Screenings wettbewerbsrechtlich prüfen zu lassen. Parallel baute Skleo die Zusammenarbeit mit klassischen Augenoptikbetrieben aus. Auf der Opti 2026 wurde eine Kooperation mit Hoya und DAO bekanntgegeben.
Die Verantwortlichen räumten gegenüber der DOZ ein, die Reaktionen der Augenoptik auf das dm-Angebot unterschätzt und die Branche nicht ausreichend in die Kommunikation einbezogen zu haben. Dennoch wird das Screening, das Sehtest, Netzhautfotografie und eine KI-basierte Auswertung samt ärztlich validierten Ergebnisbericht beinhaltet, heute in neun dm-Filialen angeboten. Und dass nun die mkk als gesetzliche Krankenversicherung dieses Angebot ins Portfolio aufnimmt, ist ein weiteres deutliches Signal.

Wer als unabhängiger Augenoptiker auch in Zukunft Ansprechpartner fürs die Sehgesundheit bleiben möchte, sollte sich laut Georg Baur vom Zeiss Eye Care Network spätestens jetzt mit der Thematik auseinandersetzen. Während dm oder auch manche Filialisten hier mit niedrigen Preisen punkten, haben unabhängige Augenoptiker weiterhin die Chance, mit Qualität zu überzeugen. Die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen wie die mkk könnte durchaus die Nachfrage erhöhen und neue Kunden in den Laden bringen.
Vom Selbstzahler-Angebot zur Kassenleistung: Axa, DBV und mkk machen das Skleo-Screening zur erstatteten Präventionsleistung
Mit der mkk kommt nun also ein weiterer Kostenträger hinzu. Für ihre Versicherten entfällt die Selbstzahlung für den Skleo-Check-up. Axa und DBV kooperieren bereits seit Mai 2026 im Rahmen eines Pilotprojekts mit Skleo Health. Dort steht das kostenfreie Screening krankenvoll- und beihilfeversicherten Kunden zur Verfügung.
Damit verschiebt sich die Rolle des Screenings: Aus einem privat zu bezahlenden Zusatzangebot wird in einzelnen Versorgungskonstellationen eine von Versicherern finanzierte Präventionsleistung.
Nutzen, Befunde und augenärztliche Abklärung: Woran sich der Erfolg des KI-Augenscreenings messen lassen muss
Die Kostenübernahme allein sagt noch nichts darüber aus, wie viele Versicherte das Screening tatsächlich nutzen, welche Auffälligkeiten festgestellt werden und wie zuverlässig die anschließende augenärztliche Abklärung funktioniert. Für die Augenoptik zählt deshalb nicht nur die Screening-Technik, sondern die gesamte Versorgungskette vom ersten Check bis zur weiteren medizinischen Abklärung.
Dass neben privaten Versicherern nun auch eine gesetzliche Krankenkasse die Untersuchung finanziert, erweitert letztlich für die Endkunden den Zugang zur Vorsorge und eröffnet auch Augenoptikern ein zusätzliches Einsatzfeld. Ihr tatsächlicher Nutzen bleibt jedoch an eine klare Einbindung in die augenärztliche Versorgung gebunden.
Quelle: DOZ-Verlag “Nach Axa und DBV – Mkk übernimmt Kosten für Skleo-Screening”
dm: Gesundheitsdienstleistung – Ein Augenscreening bei dm durchführen lassen
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