Dass Rauchen in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind schadet, ist kein Geheimnis. Herz, Lunge und die allgemeine Entwicklung des Fötus stehen dabei meist im Vordergrund. Weniger bekannt ist, dass auch die Augen zu den Organen gehören, die unter dem Tabakkonsum der Mutter leiden können. Eine aktuelle israelische Kohortenstudie, veröffentlicht im British Journal of Ophthalmology, liefert dazu nun differenzierte Daten – und vor allem eine Antwort auf die Frage: In welchem Stadium der Schwangerschaft schadet Rauchen den Augen des Kindes am meisten?

Was schon bekannt war
Der Zusammenhang zwischen Rauchen während der Schwangerschaft und bestimmten Augenerkrankungen ist bekannt. Für das Schielen, den Strabismus, gilt die Datenlage seit einer größeren Metaanalyse aus dem Jahr 2019 als vergleichsweise gut abgesichert: Kinder rauchender Mütter schielen häufiger als Kinder nicht rauchender Mütter. Bei Refraktionsfehlern, also Kurz- oder Weitsichtigkeit, ist das Bild nach wie vor uneinheitlich. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2016 fand keinen generellen Zusammenhang zwischen Rauchen und Refraktionsfehlern, wohl aber mit Amblyopie und Weitsichtigkeit im Speziellen. Auch zur Frühgeborenenretinopathie, also Netzhautschäden bei sehr früh geborenen Kindern, wurde ein möglicher Zusammenhang diskutiert, die Studienlage dazu blieb jedoch limitiert und teils widersprüchlich.
Der neue Ansatz: Zeitpunkt der Exposition im Fokus
So viel zum bisherigen Stand. In der Vergangenheit haben sich Studien jedoch vor allem lediglich mit der Frage beschäftigt, ob ein Zusammenhang besteht, aber nicht, zu welchem Zeitpunkt die Exposition am kritischsten ist und wie stark der Effekt tatsächlich ausfällt. Genau an diesem Punkt setzt die neue Studie eines Forschungsteams um Ido Ashbell und Tomer Kerman vom Soroka University Medical Center in Be’er Sheva an.
Die Forschenden werteten Daten von 50.778 Säuglingen aus, die zwischen 2014 und 2020 innerhalb eines einzelnen israelischen Gesundheitssystems geboren wurden, und verfolgten deren Augengesundheit über drei Jahre. Der entscheidende methodische Unterschied zu vielen früheren Untersuchungen: Der mütterliche Rauchstatus wurde nicht nur pauschal erfasst, sondern nach Trimester der Exposition differenziert. Von den untersuchten Kindern waren 2.830, also 5,6 Prozent, während der Schwangerschaft dem Rauchen der Mutter ausgesetzt. Die Diagnosen wurden in fünf Kategorien eingeteilt: Strabismus, Refraktionsfehler, angeborene Anomalien, entzündliche und infektiöse Erkrankungen sowie Augentumoren.
Zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft ist Rauchen am schlimmsten?
Insgesamt war eine Rauchexposition mit einem um 15 Prozent erhöhten Risiko für irgendeine Augenerkrankung verbunden, mit einem um 34 Prozent erhöhten Strabismusrisiko und mit einem um 13 Prozent erhöhten Risiko für entzündliche und infektiöse Augenerkrankungen. Spannend wird es aber bei der Betrachtung des Expositionszeitpunkts: Eine Rauchexposition im ersten Trimester zeigte einen deutlich stärkeren Zusammenhang mit dem Strabismusrisiko als die Gesamtexposition, mit einem um 52 Prozent erhöhten Risiko.
Noch ausgeprägter fiel der Effekt bei Müttern aus, die während der gesamten Schwangerschaft durchgehend rauchten. Hier stieg das Risiko für irgendeine Augenerkrankung um 75 Prozent, für angeborene Fehlbildungen des Auges um 85 Prozent und für entzündliche beziehungsweise infektiöse Erkrankungen um 81 Prozent. Bei den Refraktionsfehlern hingegen zeigte sich, in Übereinstimmung mit der bisherigen Literatur, kein signifikanter Unterschied zwischen exponierten und nicht exponierten Kindern.
Rauchen während der frühen Schwangerschaft ist am gefährlichsten
Dass gerade das erste Trimester besonders empfindlich reagiert, passt zu dem, was aus der Entwicklungsbiologie des Auges bekannt ist. In den ersten Schwangerschaftswochen legt sich die grundlegende Struktur des Auges an, aus der Augenbläschen entstehen Linse, Netzhaut und die vordere Augenkammer. Störungen der Zellteilung, der Durchblutung oder des Sauerstoffangebots in dieser frühen, hochsensiblen Phase können sich auf die gesamte weitere Organentwicklung auswirken, während spätere Expositionen eher auf bereits angelegte, aber noch reifende Strukturen treffen.
Nikotin und die zahlreichen weiteren toxischen Bestandteile des Tabakrauchs wirken dabei über mehrere Mechanismen gleichzeitig: Sie verengen die Blutgefäße und verschlechtern damit die Sauerstoffversorgung des Embryos, sie wirken oxidativ auf sich teilende Zellen und sie stehen im Verdacht, Entzündungsprozesse zu begünstigen. Letzteres liefert eine mögliche Erklärung für den in der neuen Studie beobachteten Zusammenhang mit entzündlichen und infektiösen Augenerkrankungen, ein Feld, das in der bisherigen Forschung zu mütterlichem Rauchen und kindlicher Augengesundheit deutlich seltener im Zentrum stand als etwa der Strabismus.
Einordnung der Studie: Bestätigung und Erweiterung zugleich
Die neue Studie schärft das Bild also erheblich. Dass Schielen mit mütterlichem Rauchen zusammenhängt, wurde bestätigt. Neu ist die klare Dosis-Zeit-Beziehung, die zeigt, dass frühe und durchgehende Exposition besonders schwer wiegt, und der Hinweis auf entzündliche und infektiöse Augenerkrankungen als bislang unterbelichtetes Feld.
Eine Einschränkung bleibt: Wie bei jeder retrospektiven Beobachtungsstudie kann auch diese Arbeit nur Assoziationen aufzeigen, keine Kausalität beweisen. Der Rauchstatus wurde zudem, wie bei den meisten Studien dieser Art, aus Angaben im Gesundheitssystem übernommen, was gewisse Unschärfen in der Erfassung nicht ausschließt. Die Autoren selbst weisen in ihrer Publikation darauf hin, dass die Evidenz zum Zusammenhang zwischen mütterlichem Rauchen und kindlicher Augengesundheit insgesamt weiterhin uneinheitlich ist.
Quelle:
Ashbell I, Kerman T, Amitai N, Marciano D, Hazan I, Imtirat A, Sheiner E, Tsumi E. Maternal smoking during pregnancy: a risk factor for early childhood ophthalmologic conditions. British Journal of Ophthalmology 2026; bjo-2025-328917. DOI: 10.1136/bjo-2025-328917
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