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Ein Glas, das Kurzsichtigkeit vollständig stoppen kann? Das steckt hinter MiYOSMART iQ von Hoya

In der Myopie-Forschung galt bislang eine stille Grundannahme: Kurzsichtigkeit bei Kindern lässt sich verlangsamen, aber nicht aufhalten. Doch genau diese Annahme steht nun infrage. Mit MiYOSMART iQ, der neuesten Glasgeneration von Hoya, zeigen aktuelle Studiendaten zum ersten Mal, dass die Myopieprogression im klinischen Durchschnitt tatsächlich zum Stillstand kommen kann. Wie kommt ein Brillenglas zu einer derart weitreichenden Wirkung? Die Antwort liegt in jahrelanger Grundlagenforschung.

Ein Glas, das Kurzsichtigkeit vollständig stoppen kann – das steckt hinter MiYOSMART iQ von Hoya

Hoya als Pionier im Myopie-Management

Hoya darf sich mittlerweile mit Fug und Recht als Vorreiter des Myopie-Managements mit Brillengläsern bezeichnen: 2018 brachte der Hersteller mit MiYOSMART und seiner D.I.M.S.-Technologie das erste Brillenglas auf den Markt, das Kurzsichtigkeit aktiv bremst, und legte damit weltweit den Grundstein in diesem Bereich. Das Glas ist heute in mehr als 50 Ländern im Einsatz, begleitet von über 150 wissenschaftlichen Publikationen.

Aus dieser Pionierrolle heraus ging immer weitere Forschung hervor, die ständig neue Fragen aufwarf: Wo genau im Auge entfaltet sich die Wirkung, und wie lässt sie sich noch gezielter nutzen? Diese Fragen führten Hoya tief in die Grundlagenforschung zum Wachstum des Auges selbst – und die gefundenen Antworten stecken im neuesten Glas, das am 3. August auf den Markt kam und laut Studien das Fortschreiten der Myopie tatsächlich stoppen kann: dem MiYOSMART iQ mit der neuen D.I.M.S. TED Technologie.

Der Forschungsweg: Warum wächst ein Auge überhaupt zu lang?

Was klar war: Kurzsichtigkeit entsteht, wenn der Augapfel zu lang wird. Das einfallende Licht wird dann nicht mehr genau auf der Netzhaut, sondern davor gebündelt. Die entscheidende Frage der Forschung lautete allerdings: Was bringt das Auge überhaupt dazu, im Laufe der Kindheit so stark in die Länge zu wachsen?

Erste Antworten lieferten Tierversuche. Küken bekamen kleine Brillengläser aufgesetzt, die exakt die Abbildungsfehler klassischer Einstärkengläser nachahmten. Dabei zeigte sich: Auch wenn das Zentrum des Sehens vollkommen scharf war, entstand am Rand der Netzhaut ein leicht falscher Fokus. Und genau dieser periphere Fehlfokus scheint dem Auge das Signal zu geben, weiterzuwachsen. Wurde dieser Randfokus gezielt in Richtung Netzhaut verschoben, verlor das Auge diesen Wachstumsreiz. Später bestätigten Studien an Rhesusaffen, dass es dabei nicht um die gesamte Netzhautperipherie geht, sondern nur um einen bestimmten Bereich innerhalb der Makula.

Die Nah-periphere Netzhaut -der Bereich, der das Längenwachstum auslöst

Den entscheidenden Beweis lieferte schließlich eine Untersuchung an Menschen. Probanden schauten auf einen Bildschirm, während eines der beiden Augen ein Zusatzglas trug und Kamerasysteme genau erfassten, wohin der Blick gerade fiel. So ließen sich gezielt einzelne Zonen der Netzhaut abdecken oder freilassen und beobachten, was mit dem Augenwachstum passiert.

Das Ergebnis war eindeutig: Wurde nur ein schmaler Ring von etwa 6 bis 10 Grad ausserhalb der Fovea und innerhalb der Makula  mit dem myopiefördernden Fokus versorgt, veränderte sich die Augenlänge fast genauso stark, wie wenn die komplette Netzhaut betroffen war. Deckte man dagegen genau diesen Ring ab und ließ den Rest der Peripherie wirken, passierte fast nichts. Nun war also klar: Dieser schmale Ring, und nicht die periphere Netzhaut ist der eigentliche Schlüssel zum Augenwachstum. Damit hatte die Forschung erstmals eine sehr präzise Zielregion identifiziert. Und genau hier setzt die neue Glasgeneration an.

Hoya MiYOSMART iQ
Die Forschungsergebnisse wurden direkt ins neue Glas eingearbeitet.

MiYOSMART iQ: So funktionieren die Hoya-Gläser

MiYOSMART war schon seit 2018 mit seiner D.I.M.S.-Technologie ein Meilenstein in der Myopiekontrolle: kleine Segmente im Brillenglas, verteilt über die Linse, erzeugen einen Fokus vor der Netzhaut und bremsen so das Wachstumssignal.  MiYOSMART iQ mit der sogenannten Triple Enhanced Design, kurz TED, zielt auf diese nah-peripheren Region ab, unabhängig von der Blickrichtung.

Der wichtigste Unterschied: Ein Teil der Fokussegmente wurde deutlich näher an die Mitte des Glases gerückt. Genau dort, wo der Blick eines Kindes die meiste Zeit hinfällt, wird jetzt kontinuierlich exakt jener schmale Ring rund um die Fovea stimuliert, der laut Studienlage den größten Einfluss auf das Augenwachstum hat. Hoya nennt diesen Bereich intern die Smart Zone.

Ergänzend wurde die Stärke der einzelnen Segmente erhöht, sodass ein kräftigeres Signal entsteht, und die gesamte Behandlungszone wurde weiter vergrößert, damit die Wirkung auch bei starken Blickbewegungen und größeren Kinderfassungen erhalten bleibt. Drei kleine, aber gezielte Stellschrauben also, welche Wirkung von MiYOSMART nochmals deutlich erhöht.

Daneben wurde auch an alltagstauglichen Verbesserungen gearbeitet: eine neue, deutlich kratzfestere Beschichtung sowie ein optimiertes Rückflächendesign für ein schärferes, angenehmeres Sehen und Erweiterung der Stärkenbereichs – auch wenn dies natürlich nicht der wissenschaftliche Kern der Innovation ist.

Neue DIMS TED Technologie Hoya

Studie übertrifft Erwartungen: Hoya-Brillengläser stoppen Myopie-Fortschreiten vollständig

Ob die Theorie in der Praxis wirklich trägt, zeigte schließlich eine randomisierte, kontrollierte Studie mit 196 kurzsichtigen Schulkindern im Alter von 4 bis 12 Jahren. Verglichen wurden klassische Einstärkengläser, das bisherige MiYOSMART und das neue MiYOSMART iQ.

Das Ergebnis: Kinder, die MiYOSMART iQ trugen, zeigten nach zwölf Monaten im Durchschnitt keine Zunahme ihrer Kurzsichtigkeit mehr, und ihr Augenlängenwachstum lag deutlich unter einem Niveau, das mit dem normalsichtiger Kinder vergleichbar war. Besonders deutlich fiel der Effekt bei den 7- bis 12-Jährigen aus, bei denen die Augenlänge im Schnitt sogar minimal zurückging statt weiter zu wachsen. Bei den 4- bis 6-Jährigen war der Effekt naturgemäß etwas geringer, weil sehr junge Augen ohnehin schneller wachsen. Doch auch hier ließ sich die Wachstum auf ein normales physiologisches Wachstum in der Altersgruppe reduzieren und so die Progression um rund zwei Drittel gegenüber einem gewöhnlichen Brillenglas verringern. Dies ist übrigens das erste Mal, dass mit MiYOSMART Brillengläser in dieser Altersgruppe einen solchen Behandlungseffekt nachgewiesen werden konnte. Insgesamt zeigten neun von zehn Kindern im ersten Tragejahr kein klinisch relevantes Fortschreiten ihrer Kurzsichtigkeit mehr.

Eine weitere, unabhängig durchgeführte Analyse von Prof. Hakan Kaymak lieferte dazu passend eine schöne Einordnung: Das Augenwachstum unter MiYOSMART iQ blieb nicht nur unterhalb des angestrebten Vergleichswerte von emmetropen Wachstums, sondern zeigt in vielen Fällen kein Augenlängenwachstum während des ersten Jahres.

Myopie-Kontrolle liegt in der Verantwortung von Augenoptik und Augenheilkunde

Pascal Blaser Hoya MiYOSMART iQ
Pascal Blaser, Medical Director DACH und Global Professional Affairs Manager Myopia bei Hoya.

So beeindruckend die Zahlen sind, ihr Nutzen entscheidet sich am Ende im Alltag von Augenoptik und Augenheilkunde. Pascal Blaser, Medical Director DACH und Global Professional Affairs Manager Myopia bei Hoya, ordnet das ein: „Das Myopie-Management gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung, ist aber bisher noch kein fester Bestandteil der kassenärztlichen Regelversorgung. Wie in der Schweiz oder in Frankreich wird die steigende Evidenz und wachsende Myopieprävalenz das Thema jedoch zunehmend in den Fokus der Prävention und den Gesundheitsbehörden rücken.“

Solange das so ist, hängt der Erfolg eines jeden einzelnen Falls stark davon ab, wie gut Augenoptik und Augenheilkunde vor Ort zusammenarbeiten. Auch dazu hat Blaser eine klare Haltung: „Lokale Netzwerke und die enge Zusammenarbeit zwischen Augenoptik, Orthoptik und Augenheilkunde sind entscheidend für ein erfolgreiches Myopie-Management. Sie ermöglichen eine frühzeitige Identifikation betroffener Kinder, klare Überweisungswege sowie eine kontinuierliche Betreuung. Gleichzeitig tragen interdisziplinäre Strukturen dazu bei, die Versorgungsqualität zu verbessern und das Bewusstsein für die Bedeutung der Myopiekontrolle bei Eltern und Patienten zu stärken.“

Und genau darin liegt am Ende ein echter praktischer Nutzen der Studiendaten: Sie geben Augenoptik und Augenheilkunde erstmals eine wissenschaftlich sehr belastbare Grundlage, um Eltern nicht mehr nur ein Verlangsamen, sondern eine echte Aussicht auf Stillstand anzubieten, und das schon ab einem Alter von vier Jahren, in dem frühe Kurzsichtigkeit bislang kaum behandelbar war.

Quellen:

Tse DYY, Hon Y, Chun RKM, et al. Myopia Control Efficacy of Defocus Incorporated Multiple Segments Spectacle Lens with Triple Enhanced Design: a 12-month randomized controlled trial. ARVO 2026 Annual Meeting, Denver, USA. Abstract 2523.

Kaymak H, et al. Defocus Incorporated Multiple Segments Spectacle Lenses with Triple Enhanced Design Normalize and Neutralize Axial Elongation in Myopic Children: A Randomized Three-Arm Trial Using AMMC Physiological Growth Criteria. ARVO 2026 Annual Meeting, Denver, USA. Abstract OD72.

Smith EL III, Arumugam B, Hung LF, et al. Eccentricity-dependent effects of simultaneous competing defocus on emmetropization in infant rhesus monkeys. Vision Research. 2020;177:32–40.

Swiatczak B, Scholl HPN, Schaeffel F. Retinal “sweet spot” for myopia treatment. Scientific Reports. 2024;14:26773.

Leung TW, Zhang HY, Chan KH, et al. Long-term axial elongation in myopic children wearing DIMS spectacle lenses: an 8-to-10-year observational study. BMJ Open Ophthalmology. 2026;11:e002780.

Holden BA, et al. Global Prevalence of Myopia and High Myopia and Temporal Trends from 2000 through 2050. Ophthalmology. 2016;123:1036–1042.

Florian Fait