Pilze im Auge? Das klingt zunächst nach einem seltenen Spezialfall. Für die Augenheilkunde ist die Pilzkeratitis jedoch eine ernste Herausforderung: Die Infektion kann die Hornhaut dauerhaft schädigen und im schlimmsten Fall das Sehvermögen kosten. In Würzburg soll nun ein Forschungsprojekt klären, wie Fusarium-Pilze in die Hornhaut eindringen und wie Medikamente gezielter dorthin gelangen könnten. Dafür fließen 500.000 Euro DFG-Förderung in einen Ansatz, der nicht nur den Erreger, sondern auch den Weg des Wirkstoffs ins Visier nimmt.

Pilzkeratitis: Symptome, Risikogruppen und warum Kontaktlinsenträger besonders aufmerksam sein sollten
Die Pilzkeratitis gehört zu den schwerwiegendsten Infektionen der Augenoberfläche. Auslöser sind Pilze, die die Hornhaut besiedeln und dort erhebliche Schäden verursachen können. Wird die Infektion nicht ausreichend behandelt, drohen bleibende Hornhautschäden und erhebliche Seheinschränkungen. Im schlimmsten Fall kann sogar das Sehvermögen verloren gehen.
Besonders aufmerksam sollten Menschen sein, bei denen bestimmte Risikofaktoren zusammenkommen. Dazu zählen unter anderem Kontaktlinsenträger, Patienten nach Verletzungen des Auges, insbesondere durch Pflanzenmaterial, sowie Menschen mit einer vorgeschädigten Hornhaut oder einem geschwächten Immunsystem.
Gerade bei Kontaktlinsenträgern können Beratung, Hygiene und ein wachsames Auge bei auffälligen Beschwerden eine wichtige Rolle spielen. Eine Diagnose oder Therapie ersetzt das selbstverständlich nicht. Bei Verdacht auf eine ernsthafte Augeninfektion gehört der Patient in ärztliche Hände.
Antimykotika und Hornhautpenetration: Warum Pilzinfektionen der Hornhaut so schwer zu behandeln sind
Das Problem liegt nicht allein im Pilz selbst. Eine besondere Herausforderung besteht darin, den Wirkstoff überhaupt zuverlässig an den Ort der Infektion zu bringen. Viele Antimykotika, also Medikamente gegen Pilze, durchdringen die Hornhaut nur unzureichend. Die Erreger sitzen damit gewissermaßen hinter einer biologischen Barriere, die den Therapieerfolg erschweren kann.
Für Betroffene kann das eine langwierige Behandlung bedeuten. Die Medikamente müssen teilweise sehr häufig angewendet werden, was im Alltag belastend ist. Gleichzeitig lässt sich trotz intensiver Therapie nicht immer der gewünschte Behandlungserfolg erzielen.
Genau an diesem Punkt setzt das neue Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Würzburg an. Die Forscher wollen nicht nur besser verstehen, wie der Pilz die Hornhaut befällt. Sie suchen zugleich nach einem intelligenteren Weg, den Wirkstoff dorthin zu transportieren, wo er tatsächlich benötigt wird.
Fusarium-Pilze als Hauptauslöser: Was die Würzburger Forschung zur Pilzkeratitis der Hornhaut untersucht
Im Fokus stehen sogenannte Fusarium-Pilze. Dabei handelt es sich um weit verbreitete Schimmelpilze aus der Umwelt, die zu den häufigsten Erregern pilzbedingter Hornhautinfektionen zählen. Kontakt mit Erde und Pflanzenmaterial kann deshalb zum Risikofaktor werden. Besonders betroffen sein können Menschen, die beruflich regelmäßig mit solchen Materialien arbeiten, etwa Gärtner und Landwirte.
Die Würzburger Forscher interessieren sich dabei für die grundlegenden Mechanismen der Infektion. Wie gelangt der Pilz in die Hornhaut? Welche Prozesse ermöglichen seine Ausbreitung? Und welche Vorgänge führen letztlich zur Schädigung des Gewebes?
Das Projekt verbindet damit klassische Infektionsforschung mit moderner ophthalmologischer Wirkstoffentwicklung. Beteiligt sind die Augenklinik des Universitätsklinikum Würzburg und das Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Auf Seiten der Augenheilkunde arbeitet die Forschungsgruppe um Dr. Malik Salman Haider, auf mikrobiologischer Seite das Team um Prof. Dr. Oliver Kurzai.
500.000 Euro DFG-Förderung: Wie Würzburg eine neue Therapie gegen Pilzkeratitis mit Nano-Wirkstoffträgern entwickelt
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt das Vorhaben mit 500.000 Euro. Das Geld soll dabei helfen, zwei Forschungsrichtungen enger miteinander zu verzahnen: die Untersuchung der Pilzinvasion und die Entwicklung neuer Möglichkeiten zur gezielten Wirkstoffabgabe.
Besonders interessant wird es bei den geplanten Nano-Wirkstoffträgern. Die Forscher entwickeln polymerbasierte Trägersysteme, die bestehende klinisch relevante Antimykotika verbessern und deren Verfügbarkeit direkt am Infektionsort in der Hornhaut erhöhen sollen.
Vereinfacht gesagt geht es also nicht zwingend darum, einen völlig neuen Wirkstoff zu erfinden. Stattdessen soll ein vorhandenes Medikament möglicherweise besser dorthin gebracht werden, wo es gebraucht wird. Gerade bei Erkrankungen, bei denen die Wirkstoffpenetration eine zentrale Hürde darstellt, könnte dieser Ansatz von Bedeutung sein.
Nano-Wirkstoffträger für Augentropfen: Wie polymerbasierte Systeme die Hornhaut gezielter erreichen sollen
Die Entwicklung solcher Trägersysteme ist ein besonders spannender Teil des Projekts. Die Forscher wollen untersuchen, ob sich die Eigenschaften bestehender Antimykotika durch die Kombination mit polymerbasierten Nanostrukturen verbessern lassen.
Dabei bleibt es zunächst bei der präklinischen Forschung. Die neuen Ansätze sollen in humanrelevanten In-vitro- und Ex-vivo-Modellen der Hornhautinfektion untersucht werden. Nach Angaben des UKW ermöglichen diese Modelle eine realitätsnahe Prüfung neuer Therapieansätze und könnten zugleich dazu beitragen, den Bedarf an Tierversuchen in der augenheilkundlichen Forschung zu reduzieren.
Für die Wissenschaft ist das durchaus relevant: Je näher ein Modell an den Bedingungen im menschlichen Auge liegt, desto aussagekräftiger kann die präklinische Bewertung eines neuen Therapieansatzes werden. Von einer Anwendung bei Betroffenen ist man zu diesem Zeitpunkt allerdings noch ein gutes Stück entfernt.
Interdisziplinäre Augenheilkunde in Würzburg: Infektionsforschung und Wirkstoffentwicklung gegen Pilzinfektionen am Auge
Gerade die interdisziplinäre Ausrichtung macht das Projekt interessant. Malik Salman Haider bringt seine Forschungserfahrung mit polymeren Wirkstoffträgersystemen, Biomaterialien und modernen Modellen der Hornhaut ein. Oliver Kurzai wiederum arbeitet seit Jahren zur Infektionsbiologie humanpathogener Pilze und zur Pilzpathogenese.
Beide Perspektiven treffen bei der Pilzkeratitis auf ein Problem, das sich nicht allein aus Sicht der Augenheilkunde lösen lässt. Es reicht nicht, den Erreger zu kennen. Entscheidend ist auch die Frage, wie sich seine Ausbreitung stoppen und ein Wirkstoff möglichst effektiv am Ort der Infektion einsetzen lässt.
Oliver Kurzai beschreibt das Ziel laut UKW als Verbindung von mechanistischen Untersuchungen der Pilzinvasion mit der Entwicklung verbesserter antimykotischer Formulierungen. Daraus soll eine präklinische Grundlage für künftig wirksamere Behandlungsmöglichkeiten entstehen.
Neue Therapieansätze für die Pilzkeratitis: Was die Würzburger Forschung für die Augenmedizin bedeuten könnte
Noch ist es zu früh, aus dem Würzburger Projekt eine neue Therapie für Betroffene abzuleiten. Genau genommen beginnt die eigentliche Bewährungsprobe erst mit den präklinischen Untersuchungen. Sollten die entwickelten Wirkstoffträger ihre Versprechen erfüllen, könnte daraus langfristig jedoch ein interessanter Ansatz für die Behandlung der Pilzkeratitis entstehen.
Malik Salman Haider geht laut UKW davon aus, dass die Ergebnisse zur Entwicklung wirksamerer antimykotischer Augentropfen beitragen könnten. Langfristig könnten dadurch Behandlungsergebnisse verbessert und das Risiko eines Sehverlusts reduziert werden. Das sind ausdrücklich Perspektiven des Forschungsprojekts und noch keine klinisch belegten Therapieeffekte.
Die Pilzkeratitis gehört zu den Erkrankungen, bei denen sich eindrucksvoll zeigt, dass medizinischer Fortschritt nicht immer mit einem komplett neuen Medikament beginnen muss. Manchmal liegt die entscheidende Frage darin, wie ein vorhandener Wirkstoff sein Ziel besser erreicht. Genau hier setzt die Würzburger Forschung an. Die Kombination aus Infektionsbiologie, Augenheilkunde und polymerbasierten Nano-Wirkstoffträgern ist wissenschaftlich anspruchsvoll und zugleich ausgesprochen praxisnah. Bis daraus eine neue Behandlung für Betroffene wird, dürfte allerdings noch einige Forschungsarbeit vor den Würzburger Teams liegen.
Quelle: “Neues Forschungsprojekt in Würzburg zu Pilzinfektionen am Auge” im Deutschen Ärzteblatt
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