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Studie zum Fachkräftemangel im Gesundheitshandwerk: Warum die Augenoptik besonders betroffen ist

Der Fachkräftemangel im Handwerk bleibt trotz schwacher Konjunktur auf hohem Niveau. Eine aktuelle Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) zeigt, dass 2025 in 59 von 115 untersuchten Handwerksberufen Fachkräfteengpässe bestanden. Rechnerisch konnten knapp 100.000 offene Stellen nicht besetzt werden. Besonders relevant für die Augenoptik: Auch das Gesundheitshandwerk steht vor erheblichen Personalproblemen, während sich die Ausbildung in der Augenoptik zugleich ungünstig entwickelt.

Studie zum Fachkräftemangel im Gesundheitshandwerk: Warum die Augenoptik besonders betroffen ist
Bild: © Adolfo Félix / Unsplash

Fachkräftemangel im Handwerk: Warum die Lücke nur langsam schrumpft & fast 100.000 Stellen unbesetzt bleiben

Die Fachkräftelücke im Handwerk ist 2025 zwar um 9,5 Prozent zurückgegangen – damit fiel der Rückgang jedoch deutlich geringer aus als in der Gesamtwirtschaft, wo die Lücke um 24,1 Prozent sank. Laut KOFA standen im Jahresdurchschnitt knapp 210.000 offenen Stellen in Handwerksberufen lediglich rund 140.000 arbeitslose Handwerker gegenüber, die eine entsprechende Tätigkeit suchten. Rechnerisch blieben damit 97.482 Stellen unbesetzbar, weil bundesweit keine passenden Arbeitslosen für diese Positionen verfügbar waren.

Der Engpass ist zudem keineswegs ein kurzfristiges Phänomen. In 35 der 59 Berufe mit Fachkräfteengpässen besteht der Mangel bereits seit mindestens zehn Jahren. Besonders stark betroffen sind unter anderem Berufe des Bauhandwerks, die für Energiewende und Infrastruktur benötigt werden. Zugleich zeigen sich erhebliche Engpässe im Gesundheitshandwerk, das angesichts des demografischen Wandels eine wachsende Bedeutung für die Versorgung mit Hilfsmitteln hat.

Gesundheitshandwerk im Krisenmodus: Warum Meisterstellen in Augenoptik besonders schwer zu besetzen sind

Für das Gesundheitshandwerk sieht die Studie eine besondere Herausforderung auf der Ebene höherer Qualifikationen. Die Bundesagentur für Arbeit fasst mehrere einschlägige Berufe unter der Sammelbezeichnung „Aufsicht – Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik“ zusammen. Dazu gehören laut Studie unter anderem Optik- und Akustikmeister, Orthopädietechnikmeister sowie Meister der Dentaltechnik. Gerade auf Meisterniveau zeigen sich erhebliche Engpässe.

Das Problem beschränkt sich dabei nicht auf einzelne Führungspositionen. Der Fachkräftemangel setzt sich entlang der beruflichen Qualifikationskette fort. Fehlen bereits Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung, wird auch die Gruppe kleiner, aus der sich später Meister und andere Fortbildungsabsolventen entwickeln können. Im Jahr 2025 konnten laut KOFA fast die Hälfte der offenen Stellen für Meister und Fortbildungsabsolventen rechnerisch nicht besetzt werden. Bei Gesellen lag der entsprechende Anteil bei rund drei von zehn offenen Stellen.

Für Betriebe im Gesundheitshandwerk bedeutet das, dass Personalengpässe nicht allein über die Suche nach erfahrenen Meistern gelöst werden dürften. Eine langfristige Sicherung der Qualifikationskette beginnt bereits bei der Ausbildung.

Ausbildungskrise in der Augenoptik: Warum immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben & welche Gewerke im Handwerk noch wachsen

Besonders interessant ist die Entwicklung in der Augenoptik. Die Studie zählt die Augenoptik zu den Handwerksberufen, in denen trotz anhaltender Fachkräfteengpässe eine weniger günstige Entwicklung des Ausbildungsmarktes zu beobachten ist. Gemeinsam mit dem Metallbau sowie dem Holz-, Möbel- und Innenausbau wird sie ausdrücklich als Beispiel für eine „Ausbildungskrise“ genannt.

Dabei gingen in der Augenoptik im Beobachtungszeitraum Ausbildungsplatzangebot, Ausbildungsplatznachfrage und die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge tendenziell zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze. Bei den unversorgten Bewerbern war dagegen zumindest zeitweise ein Rückgang zu beobachten. Nach Einschätzung der Studie deutet diese Entwicklung darauf hin, dass die Besetzung von Ausbildungsplätzen schwieriger wird und der Beruf für Jugendliche vergleichsweise an Attraktivität verloren haben könnte.

Damit unterscheidet sich die Augenoptik von mehreren anderen Engpassberufen des Handwerks. In der Bauelektrik, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie der Dachdeckerei steigen beispielsweise Bewerberzahlen, Ausbildungsplatzangebot und neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Teilweise gibt es dort sogar mehr Bewerber als angebotene Ausbildungsplätze. Trotzdem bleibt der Fachkräftemangel hoch, weil der wachsende Bedarf schneller zunimmt, als der Nachwuchs nachrücken kann.

Für die Augenoptik fällt die Diagnose damit anders aus: Hier spricht die Entwicklung der Ausbildungskennzahlen eher dafür, dass neben dem bestehenden Fachkräftebedarf auch die Nachwuchsgewinnung selbst zu einer Herausforderung geworden ist.

Ausbildung im Handwerk: Warum weniger Verträge abgeschlossen werden & wie sich Bewerber an Engpassberufen orientieren

Der Ausbildungsmarkt im Handwerk hat sich insgesamt in den vergangenen Jahren deutlich angespannt. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sank laut Studie von gut 150.000 im Jahr 2011 auf rund 133.000 im Jahr 2025. Gleichzeitig stieg die Zahl der zum 30. September unbesetzten Ausbildungsplätze von gut 5.000 auf fast 22.000. Ausbildungsplätze sind damit weiterhin vorhanden, können aber zunehmend nicht besetzt werden.

Die Zahlen sprechen allerdings nicht für ein pauschales Desinteresse junger Menschen am Handwerk. In den 35 Handwerksberufen, die seit 2016 durchgehend von Fachkräfteengpässen betroffen waren, stiegen sowohl das Ausbildungsplatzangebot als auch die Zahl der Bewerber tendenziell. In Berufen ohne Engpass gingen beide Größen dagegen zurück. Der Studie zufolge orientieren sich Bewerber somit durchaus an den Beschäftigungs- und Karriereperspektiven eines Berufs.

Für die Augenoptik ergibt sich daraus eine anspruchsvollere Ausgangslage. Der Beruf verfügt über gute Beschäftigungsperspektiven, gleichzeitig gelingt es offenbar weniger gut, diese Perspektiven in eine wachsende Ausbildungsnachfrage zu übersetzen. Hinzu kommen regionale Unterschiede und sogenannte Passungsprobleme, wenn Betriebe und Bewerber trotz vorhandener Ausbildungsplätze und Ausbildungsinteressenten nicht zusammenfinden. Die Studie weist darauf hin, dass die Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen und unversorgter Bewerber zuletzt sogar gleichzeitig gestiegen ist.

Fachkräftesicherung in der Augenoptik: Wie Betriebe mit Ausbildungsmarketing, gezielter Ansprache & internationaler Rekrutierung gegensteuern können

Die Studie legt nahe, dass zusätzliche Ausbildungsplätze allein nicht ausreichen werden, um den Fachkräftebedarf in allen Gewerken zu decken. Für Betriebe kommt es vielmehr darauf an, den vorhandenen Nachwuchs zu erreichen, Ausbildungsinteressenten gezielter anzusprechen und Auszubildende langfristig an den Betrieb zu binden.

Das KOFA verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf ein professionelles Ausbildungsmarketing und eine stärkere Nutzung von Angeboten zur Berufsorientierung. Auch die Erschließung zusätzlicher Zielgruppen sowie die Rekrutierung aus dem Ausland werden als mögliche Ansätze genannt. Ausbildungsbetriebe könnten zudem durch eine intensivere Begleitung ihrer Auszubildenden dazu beitragen, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

Für die Augenoptik dürfte insbesondere die Frage an Bedeutung gewinnen, wie der Beruf seine fachlichen Entwicklungsmöglichkeiten und langfristigen Beschäftigungsperspektiven vermittelt. Denn die KOFA-Analyse zeigt zugleich, dass Fachkräftemangel und Ausbildungskrise nicht automatisch dasselbe Problem sind. Während einige Gewerke trotz steigender Ausbildungsnachfrage ihren wachsenden Bedarf nicht decken können, müssen andere zunächst wieder mehr Nachwuchs für den Beruf gewinnen.

Der Fachkräftemangel im Handwerk bleibt trotz konjunktureller Schwäche erheblich. Das Gesundheitshandwerk ist davon ebenso betroffen wie andere zentrale Bereiche, wobei insbesondere qualifizierte Fachkräfte auf Meisterniveau knapp sind. Für die Augenoptik kommt eine ungünstige Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt hinzu. Die Studie zeichnet damit ein differenziertes Bild: Während in einigen Handwerksberufen eine Renaissance der Ausbildung zu beobachten ist, deutet die Entwicklung in der Augenoptik eher auf eine Ausbildungskrise hin. Für die Branche wird es deshalb entscheidend sein, nicht nur Fachkräfte zu suchen, sondern auch den eigenen Nachwuchsmarkt nachhaltig zu stärken.

Studie: Fachkräftesicherung im Handwerk: Ausbildung zwischen Krise und Renaissance

Christoph Hillermann-Giannoutsos