In einer aktuelle Studie wurde untersucht, ob beim Tragen, Lagern und Pflegen von Kontaktlinsen Mikroplastik freigesetzt werden kann. Die Pilotstudie zeigt nun, dass die möglichen Partikelquellen nicht allein im Material der Kontaktlinse liegen. Auch Verpackungen, Aufbewahrungsbehälter sowie Reinigungs- und Aufbewahrungslösungen könnten erheblich zur Mikroplastikbelastung im Kontaktlinsensystem beitragen. Die Ergebnisse liefern damit neue Hinweise zur möglichen Exposition im augenoptischen und ophthalmologischen Alltag, erlauben aber noch keine Aussagen über konkrete Gesundheitsrisiken.

Mikroplastik in Kontaktlinsen: Welche Materialien und Pflegelösungen wurden untersucht?
Bisherige Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf die Frage, ob Kontaktlinsen selbst Mikroplastikpartikel freisetzen können. Die neue Studie erweitert diesen Ansatz und betrachtet das gesamte Kontaktlinsensystem.
Untersucht wurden neue und langfristig verwendete Kontaktlinsen zur Sehkorrektur, therapeutische beziehungsweise Verbandkontaktlinsen, Verpackungsmaterialien, Aufbewahrungsbehälter, Reinigungs- und Aufbewahrungslösungen, Laborwasser und klinische Aufbewahrungslösungen.
Die Forschenden analysierten die Proben sowohl unter praxisnahen Bedingungen als auch im Labor. Ziel war es, Mikro- und Kunststoffpartikel nachzuweisen und anhand ihrer Polymerzusammensetzung mögliche Quellen innerhalb des Kontaktlinsensystems zu bestimmen.
Mikro-Raman-Spektroskopie macht mögliche Kunststoffquellen sichtbar
Für die Untersuchung wurden die Proben zunächst über Siliziummembranen mit einer Porengröße von 1 µm filtriert. Anschließend kamen hochauflösende Lichtmikroskopie und Mikro-Raman-Spektroskopie zum Einsatz.
Mit der Mikro-Raman-Spektroskopie lässt sich die chemische Zusammensetzung einzelner Partikel anhand ihrer charakteristischen Spektren bestimmen. Dadurch konnten die Forschenden zwischen Mikroplastik und anderen organischen oder anorganischen Mikropartikeln unterscheiden und die gefundenen Polymere mit den untersuchten Materialien vergleichen.
Die Methode liefert allerdings keinen direkten Beweis für den zeitlichen Entstehungsweg eines Partikels. Stimmen Polymerprofile überein, kann dies auf eine mögliche gemeinsame Quelle hindeuten. Daraus lässt sich jedoch nicht in jedem Fall zweifelsfrei ableiten, wann oder unter welchen Bedingungen das Partikel in die Probe gelangt ist.
Mikroplastik wurde in allen untersuchten Probentypen nachgewiesen
Organische und anorganische Mikropartikel wurden in sämtlichen analysierten Probentypen festgestellt. Dazu gehörten auch Laborwasser, klinische Aufbewahrungslösungen sowie Materialien und Flüssigkeiten aus dem Kontaktlinsensystem.
Mikroplastik wurde ebenfalls in allen untersuchten Probentypen nachgewiesen. Höhere Partikelzahlen fanden sich bei langfristig verwendeten Kontaktlinsen und in den dazugehörigen Aufbewahrungslösungen. Die Studie belegt damit eine nachweisbare Mikroplastikbelastung der untersuchten Proben – nicht jedoch automatisch eine gesundheitlich relevante Belastung der Augenoberfläche.
Bei der Interpretation ist außerdem zwischen dem bloßen Nachweis von Partikeln und einer tatsächlichen Freisetzung aus der Kontaktlinse zu unterscheiden. Die Anwesenheit von Mikroplastik in einer Aufbewahrungslösung beweist nicht ohne Weiteres, dass die Kontaktlinse selbst die Partikel abgegeben hat.
Aufbewahrungsbehälter und Reinigungsflüssigkeiten als unterschätzte Mikroplastikquellen
Die Polymerprofile der gefundenen Partikel deuteten darauf hin, dass die meisten Mikroplastikpartikel eher aus externen Materialien als aus einem Abbau des Kontaktlinsenmaterials stammten. Als mögliche Quellen kommen insbesondere Kunststoffbehälter, Verpackungen sowie Reinigungs- und Aufbewahrungslösungen infrage.
Die untersuchten Verpackungsmaterialien, Aufbewahrungsbehälter und Reinigungslösungen trugen nach Angaben der Forschenden erheblich zur beobachteten Mikroplastikbelastung bei. Die gemessenen Werte lagen dabei über den jeweiligen Hintergrundwerten.
Bei Kontaktlinsen zur Sehkorrektur stimmten einige der identifizierten Polymere mit den Materialien der verwendeten Aufbewahrungsbehälter überein. Andere Polymerarten ließen sich dagegen nicht eindeutig den Behältern zuordnen. Sie könnten aus den Reinigungs- und Aufbewahrungslösungen oder aus weiteren Kontaktmaterialien stammen.
Verbandkontaktlinsen: Beginnt eine mögliche Exposition schon in der Verpackung?
Auch Verpackungen therapeutischer Verbandkontaktlinsen wurden als mögliche Partikelquelle untersucht. Bei diesen Proben erschwerte eine starke Kristallbildung in der Kochsalzlösung nach den Angaben im Artikel teilweise die genaue Auswertung.
Dennoch deuteten die Untersuchungen darauf hin, dass bereits die Originalverpackung Mikroplastik enthalten beziehungsweise zur Partikelbelastung beitragen könnte. Daraus lässt sich vorsichtig ableiten, dass eine mögliche Exposition nicht erst beim Aufsetzen der Kontaktlinse beginnen muss, sondern bereits durch Verpackungs- oder Lagerungsmaterialien beeinflusst werden könnte.
Das ist insbesondere deshalb relevant, weil Verbandkontaktlinsen häufig auf einer bereits gereizten oder geschädigten Hornhaut eingesetzt werden. Ob die nachgewiesenen Partikel unter diesen Bedingungen eine zusätzliche klinische Bedeutung haben, wurde in der Studie allerdings nicht untersucht.

Was bedeuten die Ergebnisse für Augenoptik und Kontaktlinsenanpassung?
Für die augenoptische und ophthalmologische Praxis eröffnet die Studie einen erweiterten Blick auf die Materialverträglichkeit von Kontaktlinsensystemen. Bei der Bewertung sollten künftig möglicherweise nicht ausschließlich die Eigenschaften der Linse, sondern auch Verpackung, Aufbewahrungsbehälter und Pflegemittel berücksichtigt werden.
Aus den Ergebnissen lassen sich derzeit jedoch keine konkreten Empfehlungen für bestimmte Hersteller, Linsentypen oder Pflegesysteme ableiten. Die Untersuchung war als vorläufige Pilotstudie angelegt und umfasste nur eine begrenzte Auswahl an Proben. Daher sind weder belastbare Vergleiche zwischen Produkten noch verlässliche Aussagen zur typischen Belastung im Praxisalltag möglich.
Auch die Aussage, dass externe Quellen den größeren Anteil beitragen, sollte vorsichtig formuliert werden. Die Polymerprofile legen dies nahe, beweisen aber nicht, dass sämtliche Partikel aus Behältern, Verpackungen oder Lösungen stammen.
Sind Mikroplastikpartikel auf der Augenoberfläche gesundheitlich relevant?
Ob Mikroplastik bei Kontaktlinsen tatsächlich klinisch relevante Auswirkungen auf die Augenoberfläche hat, ist derzeit nicht geklärt. Die vorliegende Studie untersuchte die Partikelbelastung und ihre mögliche Herkunft, nicht jedoch Entzündungsreaktionen, Zellschäden, trockene Augen oder andere Beschwerden bei Kontaktlinsenträgern.
Experimentelle Untersuchungen anderer Arbeitsgruppen weisen zwar darauf hin, dass bestimmte Kunststoffpartikel oxidativen Stress, Entzündungsreaktionen oder Zellschädigungen auslösen können. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf die im Kontaktlinsensystem nachgewiesenen Partikel und die reale Anwendung am menschlichen Auge übertragen.
Auch eine frühere Untersuchung zeigte, dass Kontaktlinsen unter bestimmten simulierten Sonnenlichtbedingungen selbst Mikroplastikpartikel freisetzen können. Die aktuelle Studie widerspricht diesem Befund nicht, sondern ergänzt ihn um weitere mögliche Quellen innerhalb des Kontaktlinsensystems.
Größere Studien sollen Mikroplastikbelastung von Kontaktlinsen klären
Für die weitere Forschung sind größere Stichproben und standardisierte Analyseverfahren erforderlich. Sinnvoll wären außerdem systematische Vergleiche verschiedener Kontaktlinsenmaterialien, Pflegeprodukte, Verpackungen und Aufbewahrungsbehälter.
Darüber hinaus müsste untersucht werden, wie viele Partikel tatsächlich auf die Augenoberfläche gelangen, wie lange sie dort verbleiben und ob daraus messbare biologische Effekte entstehen. Erst solche Untersuchungen könnten klären, ob der Nachweis von Mikroplastik eine praktische Bedeutung für die Kontaktlinsenanpassung oder die Auswahl von Pflegesystemen hat.
Die Studie erweitert den Blick auf Mikroplastik bei Kontaktlinsen deutlich. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass nicht nur die Kontaktlinse selbst, sondern auch Verpackungen, Aufbewahrungsbehälter sowie Reinigungs- und Aufbewahrungslösungen zur nachgewiesenen Partikelbelastung beitragen können. Gleichzeitig handelt es sich um eine vorläufige Untersuchung mit begrenzter Aussagekraft. Die Ergebnisse erlauben daher noch keine belastbaren Empfehlungen für die Praxis und keinen Nachweis konkreter gesundheitlicher Auswirkungen. Bei der Weiterentwicklung und Bewertung von Kontaktlinsensystemen könnten künftig neben dem Linsenmaterial auch sämtliche Materialien entlang der Versorgungskette stärker berücksichtigt werden.
Studie: Heinzelmann J, Vaghasiya H, Gadara M et. al. Microplastic contamination associated with contact lenses and related ophthalmic materials under real-world conditions. Contact Lens and Anterior Eye, 2026.
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