Vom 14. bis zum 16. Oktober findet wieder der EUHA-Besuch Kongress mit angeschlossener Industrieausstellung statt – Deutschlands größte Hörgerätemesse. Und da die opti der Hörakustik ja immer mehr Raum gibt, stellt sich die Frage: Gilt das auch andersrum? Inwiefern könnte sich ein Besuch der EUHA für Augenoptiker rentieren? Wir haben 7 Gründe zusammengestellt.

Der 70. Internationale Hörakustiker-Kongress findet dieses Jahr in Hannover statt – und er richtet seine Industrieausstellung ausdrücklich auch an Optiker, die ihr Geschäft um Hörakustik erweitern wollen. Zugegeben: Anders als die opti, die der Hörakustik mit der opti SPHEARE mittlerweile einen eigenen Bereich widmet, bleibt die EUHA deutlich mehr seiner Kernzielgruppe zugewandt. Spannend kann es für Augenoptiker trotzdem werden: Vor allem dann, wenn man eben über einen Einstieg in die Hörakustik als Zusatzgeschäft nachdenkt – aber es lassen sich viele Inhalte auch für die Optik-Branche übersetzen. Und nicht zuletzt gibt es auf der Industrieausstellungen einige Anbieter, die sowohl Hörakustiker als auch Augenoptiker ansprechen.
Hier sind 7 Gründe, weshalb sich ein Besuch der EUHA auch für Augenoptiker lohnen könnte:
1. Gleitsicht- und Hörakustik-Kunden überschneiden sich
Die HNO-Ärztin Prof. Dr. Annette Limberger von der Hochschule Aalen schätzt in einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, dass rund 17 Prozent der Menschen in Deutschland schwerhörig sind. Das sind etwa 12 Millionen. Ein Hörgerät tragen davon nur rund 3,7 Millionen.
Betroffen sind vor allem die Altersgruppen, die auch Gleitsichtbrillen kaufen. Eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg geht davon aus, dass etwa ein Drittel der 60- bis 69-Jährigen schwerhörig ist und bei den 70- bis 79-Jährigen sogar rund 60 Prozent. Jeder zweite Kunde, der eine neue Gleitsichtbrille bestellt, hat also möglicherweise ein unbehandeltes Hörproblem. Wer das Thema potenzielle Hörgerätekunden vertiefen will: Limberger spricht am Mittwoch, 14. Oktober, um 14 Uhr auf der EUHA über die Verbesserung der Hörversorgung älterer Menschen in Deutschland.
2. Optik-Ketten setzen längst auf Hörakustik
Fielmann betrieb Ende 2025 bereits 445 Hörakustikstudios. Im Sommer 2025 hat das Unternehmen außerdem angekündigt, den Umsatz seiner europäischen Hörakustik innerhalb von fünf Jahren mehr als zu verdoppeln.
Das verändert die Erwartung der Kunden. Sie lernen gerade, dass Sehen und Hören unter einem Dach zu haben sind. Ein unabhängiger Optiker, der darauf keine Antwort hat, schickt seine Kunden im Zweifel genau dorthin. Auf der EUHA kann man sich darüber informieren, mit welchen Modellen auch kleinere Betriebe dieses Angebot abbilden können, ohne gleich eine eigene Filialstruktur aufzubauen.
3. Die Hörbrille ist im deutschen Markt angekommen
EssilorLuxottica verkauft mit Nuance Audio eine Brille, in deren Bügeln Mikrofone und Lautsprecher stecken. Sie richtet sich an Erwachsene mit leichter bis mittlerer Hörminderung und verstärkt gezielt Gespräche vor dem Träger. Seit September 2026 ist in Deutschland auch die zweite Generation erhältlich, die unter anderem mit besserer Sprachverständlichkeit in lauter Umgebung und rund zehn Stunden Akkulaufzeit beworben wird.
Die Brille ist in Europa als Medizinprodukt zugelassen, steht aber nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Für Augenoptiker wirft das ganz praktische Fragen auf. Wer berät zur Hörleistung? Wo endet die Kompetenz des Optikers? Und ab wann muss der Kunde zum Hörakustiker oder HNO-Arzt?
Die EUHA ist der beste Ort, um sich einmal umzuhören, wie die Hörakustik diese Produktkategorie bewertet. Gleichzeitig kann man die Hersteller klassischer Hörsysteme fragen, was sie dagegensetzen.
4. Netzwerke und Lösungen gegen den Fachkräftemangel
Hörakustik ist ein zulassungspflichtiges Handwerk. Einen Betrieb führen dürfen in der Regel nur Meister. Und genau die sind knapp: Laut einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft blieben 2025 mehr als acht von zehn offenen Meisterstellen im Gesundheitshandwerk unbesetzt. Die meisten Lücken gibt es in der Augenoptik und der Hörakustik.
Der Plan, einfach einen Hörakustikmeister einzustellen, ist deshalb für viele Betriebe unrealistisch. Umso wichtiger ist es, die Alternativen zu kennen: Kooperationen mit Akustikern aus der Region, Partner- und Franchisesysteme, Einkaufsgemeinschaften oder ein Shop-in-Shop-Modell. All diese Anbieter sind in Hannover an einem Ort.
Dass sich das auch rechnerisch lohnt, zeigen die Branchenzahlen der Bundesinnung der Hörakustiker. Danach wurden 2025 bundesweit rund 1,6 Millionen Hörsysteme angepasst. Der Umsatz der Branche lag bei etwa 2,2 Milliarden Euro.
5. Das EUHA-Programm bietet spannendes Hintergrundwissen
Wer verstehen will, was eine gute Hörgeräteanpassung ausmacht, sollte am Donnerstag, 15. Oktober, von 15:30 bis 17 Uhr ins Tutorial 4 gehen. Dr. Dirk Oetting vom Hörzentrum Oldenburg und Sven Winkler von Brillen Müller erklären, wie Lautheit, Sprachverstehen und die Akzeptanz beim Kunden zusammenhängen.
Auch der Mittwochnachmittag ist für Optiker interessant. Um 15 Uhr stellt Sonova neue Erkenntnisse zum Stigma von Hörverlust vor, also zu der Frage, warum Betroffene ihr Problem verstecken. Optiker kennen diese Hürde aus der Gleitsicht- oder Lesebrillenberatung. Um 15:30 Uhr geht es um 3D-Scans des Gehörgangs im Vergleich zur klassischen Abformung. Danach wissen Sie ziemlich genau, wie viel Handwerk hinter einer Anpassung steckt.
6. Der Freitag ist KI-Tag und der betrifft jeden Betrieb
Der Kongressfreitag steht unter dem Motto „KI, die sich morgen rechnet“. Die Vorträge sind ausdrücklich für Teilnehmer ohne technisches Vorwissen gedacht und lassen sich eins zu eins auf ein Optikgeschäft übertragen. Um 10 Uhr geht es um generative KI im Arbeitsalltag. Um 13 Uhr zeigt Dr. Melanie Sigl, wie ein Mittelständler in 90 Tagen sinnvolle KI-Anwendungen entwickelt. Um 13:30 Uhr folgt ein Vortrag über KI im Marketing. Für den praktischen Einstieg bietet Carina Windau von 11 bis 12:30 Uhr ein Tutorial an.
Dokumentation, Terminplanung und Social Media kosten jeden Betrieb Zeit. Ob die Kunden dabei Brillen oder Hörgeräte kaufen, spielt keine Rolle. Wichtig: Die Ausstellung schließt am Freitag schon um 14 Uhr.
7. Die EUHA-Ausstellung bietet mehr als Hörgeräte
Nach Angaben des Veranstalters zeigen zahlreiche Aussteller Konzepte für Digitalisierung, Ladenbau, Marketing und Mitarbeitergewinnung. Dazu kommen Softwareanbieter, Versicherungen und Anbieter von Hörtraining. Vieles davon ist für ein Optikgeschäft genauso relevant wie für einen Akustikbetrieb.
Auch beim Thema Nachwuchs lohnt sich der Besuch. Auszubildende, Schüler und Studierende haben freien Eintritt. Nehmen Sie Ihre Azubis also einfach mit. Gleichzeitig treffen Sie in Hannover junge Hörakustiker, die sich beruflich orientieren. Im vergangenen Jahr kamen über 10.000 Teilnehmer zur EUHA.
So holt man das meiste aus dem EUHA-Besuch
Die Industrieausstellung ist am Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 17 Uhr geöffnet, am Freitag von 9 bis 14 Uhr. Wer nur einen Tag Zeit hat, ist am Donnerstag gut aufgehoben. Vormittags gibt es Fachvorträge, nachmittags Tutorials, abends den Kongresstreff und die Party im Zeichen des diesjährigen Partnerlands Niederlande. Wen vor allem die Digitalisierung interessiert, der wählt den Freitag.
Vereinbaren Sie Gesprächstermine mit Partnersystemen und Herstellern vorher, statt nur über die Gänge zu laufen. Nehmen Sie konkrete Fragen mit: Was kostet die Erstausstattung eines Anpassplatzes? Wie viel Fläche braucht er? Welche Kooperationsverträge gibt es mit bestehenden Akustikbetrieben, und wie wird dabei die Vergütung geregelt? Mit belastbaren Antworten auf diese Fragen fahren Sie anders nach Hause als mit einer Tüte Prospekte. Ob kurzfristig noch Tickets erhältlich sind, prüfen Sie am besten direkt auf euha.org.
Zusammengefasst: Das wissenschaftliche Vortragsprogramm ist über weite Strecken audiologisch und richtet sich an Hörakustiker. Und wenn man ehrlich ist: Vorträge über Störgeräuschalgorithmen oder Cochlea-Implantate bringen den meisten Augenoptikern wenig. Wer weder eine eigene Akustik noch eine Kooperation plant, nimmt vor allem Marktwissen mit. Dafür reicht ein gut geplanter Tag. Für alle anderen gilt: Die Frage, ob Hörakustik ins eigene Geschäft passt, lässt sich nirgends schneller und fundierter klären als an diesen drei Tagen in Hannover.
- 7 Gründe, warum sich ein EUHA-Besuch für Augenoptiker lohnen könnte - 13. Oktober 2026
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