Anzeige
Produkte

IXI Autofokus-Brille im Praxistest: Wie schlägt sie sich im Alltag?

Der finnische Hersteller IXI übergibt Prototypen seiner Autofokus-Brille an echte Träger in deren Alltag. Produktdirektorin Emilia Helin erklärt, worauf es dabei ankommt, und gibt einen Einblick, wie weit die Entwicklung inzwischen fortgeschritten ist.

IXI Autofokus-Brille im Praxistest - Wie schlägt sie sich im Alltag
Bild: IXI

IXI-Tests: Vom Labor ins echte Leben

Seit Jahren arbeitet das 2021 in Espoo gegründete Start-up IXI an einer Brille, die ihre Schärfe selbstständig an den Blick des Trägers anpasst. Flüssigkristallgläser, gesteuert von einem Eye-Tracking-System, sollen Presbyopen eine Alternative zu Gleitsicht- und Mehrstärkengläsern bieten. Nach einer Series-A-Finanzierung über 36,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 rückt nun eine entscheidende Frage in den Mittelpunkt: Funktioniert die Technik auch dort, wo sie am Ende bestehen muss? Also im ganz normalen Alltag?

Emilia Helin IXI Product Director
Emilia Helin ist Product Director bei IXI.

Ein gewöhnlicher Tag ist schließlich deutlich weniger berechenbar als ein Test im Labor. Das Licht wechselt, die Sehabstände ändern sich ständig, der Blick springt vom Smartphone zum Gesicht des Gegenübers und weiter zum Bildschirm, ohne dass man darüber nachdenkt. Deshalb ergänzt das Unternehmen seine Labortests um Studien, bei denen Prototypen an echte Menschen ausgegeben werden.

Wie das konkret aussieht, beschreibt Emilia Helin so: Für einige Wochen werde die Brille Teil der Routine einer Testperson. „Sie geht mit zur Arbeit, in die Mittagspause, in die pralle Sonne, aufs Sofa, in Taschen und wieder zurück auf die Nase“, so Helin. Jeder Tag sei anders, und genau darum gehe es. Die Teilnehmer halten ihre Beobachtungen in kurzen Umfragen, Tagebucheinträgen und Interviews fest. Diese Rückmeldungen wertet IXI gemeinsam mit den technischen Daten aus, und nach der Rückgabe werden die Brillen gründlich untersucht. „Was im Tagesablauf eines Menschen passiert, zeigt uns meist, worauf wir als Nächstes schauen müssen“, sagt die Produktdirektorin.

Helsinki als reales Testgelände für wechselndes Licht und wechselnde Entfernungen

Besonders beim Thema Beleuchtung profitiert IXI vom Standort. Helsinki sei dafür ein hervorragender Ort, erklärt Helin, denn im Sommer werde es kaum dunkel, während der Winter nur wenige Stunden Tageslicht biete. Grelles Sonnenlicht, schwaches Licht, Büroleuchten und Bildschirme ließen sich im Labor zwar einzeln nachstellen. Erst der Alltag zeige jedoch, was geschieht, wenn jemand innerhalb von 24 Stunden, oder sogar innerhalb von Millisekunden, durch mehrere dieser Situationen wechselt.

Und das trifft umso mehr natürlich auf wechselnde Sehentfernungen zu – der Kern des Produktes. IXI achte hier sehr genau auf die Qualität der Gläser und wie schnell sie sich anpassen, wenn der Träger seinen Blickabstand ändert. „IXI Autofocus muss schnell reagieren“, betont Helin. Die Alltagstests sollen zeigen, ob sich diese Reaktion so nahtlos anfühlt, dass der Träger sie kaum wahrnimmt.

Genauso wichtig: Der Tragekomfort der Autofokus-Brille

Ebenso wichtig wie die Optik ist der Tragekomfort, zumal eine Brille mit integrierter Elektronik schnell zu schwer werden kann. Die Teilnehmer werden deshalb gefragt, wie sich die Brille im Laufe der Stunden anfühlt und ob sie sie häufig hochschieben, absetzen oder zurechtrücken. „Hier zählen Millimeter“, sagt Helin. Stimme die Balance nur geringfügig nicht, merke man das spätestens am Nachmittag. Nach Angaben des Unternehmens wiegen die aktuellen Prototypen rund 22 Gramm und liegen damit auf dem Niveau herkömmlicher Brillen.

Aufschlussreich ist für IXI auch der Zustand der Prototypen nach der Testphase. Eine Woche normaler Nutzung hinterlasse Spuren, erklärt Helin. Die Brillen werden gereinigt und geladen, in Taschen transportiert, nach draußen mitgenommen und bekommen gelegentlich auch einen Stoß ab. Kommt ein Exemplar zurück, prüft das Team genau, was sich verändert und was gehalten hat. Alles, was einer genaueren Untersuchung bedarf, wandert direkt zurück ins Labor.

Kann man selbst IXI-Tester werden?

Das Interesse an den Studien ist offenbar groß. Diese Frage werde sehr häufig gestellt, berichtet Helin, und man freue sich, dass so viele Menschen helfen wollen, die Autofokus-Brille zu verbessern. Eine direkte Bewerbung ist allerdings nicht vorgesehen. Je nach Studie suche IXI mal Personen, die die Brille bereits kennen, und mal solche, die noch nie mit dem Unternehmen in Berührung gekommen sind. Wer auf der Warteliste des Unternehmens steht, erfährt als Erster von offenen Studien.

Allerdings gibt es eine weitere Möglichkeit, die IXI-Glasses zeitnah auszuprobieren: Auf der diesjährigen SILMO in Paris ist der Hersteller vor Ort und Besucher können die Autofokus-Funktion in einer Demo hautnah erleben – zu finden am Optiswiss-Stand, 6M142.

Einen konkreten Termin für den Marktstart nennt IXI weiterhin nicht, auch Preise sind noch nicht bekannt. Dass das Unternehmen seine Prototypen inzwischen über Wochen im Alltag echter Träger erprobt und dabei Feinheiten wie Gewichtsverteilung, Reaktionsgeschwindigkeit und Alltagsverschleiß in den Fokus rückt, zeigt jedoch, dass die Entwicklung eine Phase erreicht hat, in der es ganz klar um die Serienreife geht. Es bleibt spannend, ob die Technik die hohen Erwartungen im praktischen Einsatz erfüllen kann.

Quelle:

https://ixieyewear.com/articles/ixi-in-the-real-world

Florian Fait