Die UV-Belastung ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten messbar gestiegen – das bestätigen Auswertungen des Bundesamts für Strahlenschutz. Und damit steigt nicht nur das Risiko für Sonnenbrand und Hautkrebs, sondern auch für Augenschäden. Was Ihr als Augenoptiker davon ableiten und wie Ihr die Informationen in Eure Beratung einfließen lassen könnt, lest Ihr in diesem Artikel.

20 Prozent mehr UV-Belastung als vor 30 Jahren
Auswertungen des Bundesamts für Strahlenschutz zeigen, dass die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung an einer Messstation in Dortmund zwischen 1997 und 2022 deutlich zugenommen hat. Vergleichsmessungen aus der Nähe von Brüssel ergaben einen noch stärkeren Anstieg. Je nach Standort und betrachteter Messgröße liegen die Veränderungen in einer Größenordnung von etwa zehn bis 20 Prozent.
Als wichtigste Ursache gelten veränderte Bewölkungsverhältnisse. Deutschland liegt heute häufiger unter wolkenarmem Himmel, die Sonne scheint länger und mehr Strahlung erreicht die Erdoberfläche – und dies ist eine direkte Folge des Klimawandels. Er beeinflusst Wetterlagen, Wolkenbildung und Sonnenscheindauer und trägt damit indirekt auch zur höheren UV-Belastung bei.
Eine weitere, wenngleich weniger gravierende Rolle, spielt die über die letzten Jahrzehnte zunehmend bessere Luftqualität. Weniger Aerosole und Schadstoffpartikel in der Atmosphäre bedeuten ebenfalls, dass mehr Sonnenstrahlung bis zum Boden gelangt. Dieser Effekt dürfte künftig allerdings noch geringer ausfallen, da das Aerosolniveau bereits deutlich gesunken ist.
UV-Strahlung kann gefährlich für die Augen sein
Die steigende Belastung betrifft nicht nur die Haut. Eine hohe und langfristige Exposition kann unter anderem Hornhaut und Linse belasten – und dort sogar einen Sonnenbrand verursachen. Das Risiko hängt dabei nicht allein von einzelnen besonders sonnigen Tagen ab, sondern auch von der über Jahre aufgenommenen Gesamtdosis.
Gerade Menschen, die beruflich viel im Freien arbeiten, regelmäßig Sport treiben oder häufig am Wasser, im Gebirge oder im Schnee unterwegs sind, sollten deshalb besonders auf ihre Augengesundheit achten.
Brauchen Sonnenbrillen jetzt einen höheren UV-Schutz?
Ein Anstieg der Umgebungsstrahlung um zehn oder 20 Prozent bedeutet nicht, dass der UV-Filter einer Brille entsprechend stärker werden muss. Der relevante Spektralbereich bleibt derselbe. Ein geeigneter UV-Schutz bis 400 Nanometer deckt UVA- und UVB-Strahlung ab und ist für den normalen Gebrauch weiterhin die zentrale Empfehlung.
Mit am wichtigsten bleibt natürlich, UV-Schutz und Tönung klar voneinander zu trennen. Die Tönung reduziert sichtbares Licht und Blendung. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, wie gut das Glas unsichtbare UV-Strahlung filtert. Ein helles Glas kann einen vollständigen UV-Schutz besitzen, während ein dunkles Glas ohne geprüfte Filterwirkung keinen ausreichenden Schutz bieten muss. Kunden sollten deshalb nicht nach dem Grundsatz „je dunkler, desto sicherer“ auswählen.
Dagegen häufiger unter dem Radar ist die Wichtigkeit der richtigen Fassungs-Auswahl: UV-Strahlung kann seitlich, von oben oder durch Reflexionen hinter die Gläser gelangen. Besonders bei Wasser, Sand oder hellen Gebäudeflächen reicht ein kleines, weit vom Gesicht entfernt sitzendes Modell häufig nicht aus. Eine gut anliegende Fassung mit ausreichend großen Gläsern und möglichst geringer seitlicher Öffnung kann die tatsächliche Schutzwirkung deutlich verbessern.
Die steigende UV-Belastung kann daher durchaus als entsprechender Beratungsanreiz gesehen werden: Dabei ist es wichtig, zu klären, wann und wo der Kunde die Sonnenbrille trägt. Für den Stadtalltag gelten andere Anforderungen als beim Autofahren, Segeln oder Radfahren. Bei der Wahl der Tönung muss außerdem berücksichtigt werden, dass sehr dunkle Filter nicht für den Straßenverkehr geeignet sind.
Die Augen gegen Sonne schützen – Empfehlungen für Erwachsene, Kinder und Kontaktlinsenträger
Ein einfacher Orientierungspunkt für Kunden ist der UV-Index. Ab einem Wert von 3 werden Schutzmaßnahmen empfohlen. Die Sonnenbrille sollte dann ebenso selbstverständlich sein wie Kopfbedeckung, Schatten und Sonnenschutzmittel. Dabei ist wichtig zu erklären, dass UV-Strahlung nicht zwingend mit der Außentemperatur zusammenhängen. Auch an kühlen Tagen oder bei leichter Bewölkung kann eine hohe Belastung auftreten.
Und besonders aufmerksam sollte man bei Kindern sein. Ihre Augen sind empfindlicher, zugleich summiert sich die UV-Exposition über ein ganzes Leben. Auch Kontaktlinsenträger sollten darauf hingewiesen werden, dass eine UV-filternde Kontaktlinse die Augenlider, die Bindehaut und den seitlichen Augenbereich nicht vollständig schützt. Eine zusätzliche, gut sitzende Sonnenbrille bleibt deshalb empfehlenswert.
Für Augenoptiker bietet die steigende UV-Belastung durchaus eine gute Gelegenheit, den eigenen fachlichen Mehrwert sichtbar zu machen. Die beste Empfehlung lautet weiterhin: nachgewiesener UV-Schutz bis 400 Nanometer, eine zum Einsatz passende Tönung und eine Fassung, die das Auge möglichst gut abdeckt – und natürlich regelmäßiges und häufiges Tragen.







