Wer unter Migräne leidet, weiß, wie sehr helles Licht zur Qual werden kann. Und nun legt eine Umfrage von Eschenbach Optik nahe, dass viele Betroffene dem Augenoptiker bei diesem Thema durchaus Kompetenz zutrauen. Zugleich offenbart sie aber auch Lücken bei Information und Beratung, die für den Fachhandel von Interesse sein dürften.

Migräne: Was zeigt die Eschenbach-Umfrage zur Beratung durch Augenoptiker?
Anlass der Veröffentlichung war der Europäische Kopfschmerz- und Migränetag am 12. September 2026: An der nicht repräsentativen Online-Umfrage nahmen im Sommer 2026 insgesamt 931 Personen ab 18 Jahren teil. Von ihnen gaben 893 eine diagnostizierte oder vermutete Migräne an. Den Ergebnissen zufolge würden sich 23,6 Prozent der Befragten an den Augenoptiker wenden, wenn es um das Thema Lichtempfindlichkeit geht. Damit liegt die Berufsgruppe auf Platz zwei, hinter den Neurologen mit 35,4 Prozent.
Dem steht eine Versorgungslücke gegenüber. Nach eigenen Angaben haben 14,9 Prozent der Befragten bislang keine fachliche Beratung erhalten, weitere 18 Prozent kennen keine passenden Lösungen. Gleichwohl nutzen bereits 57,7 Prozent regelmäßig oder gelegentlich eine Brille oder eine andere optische Lösung wegen ihrer Lichtempfindlichkeit, 363 Personen trugen nach eigenen Angaben schon einmal eine Brille mit Filtergläsern. Als Hindernisse für eine weitere Nutzung nannten die Teilnehmer fehlende Kenntnisse über geeignete Lösungen (18 Prozent), die Kosten (15,5 Prozent) und mangelnde fachliche Beratung (14,9 Prozent).
Aufschlussreich sind auch die Anforderungen an Spezialbrillen und Filterlösungen. Am häufigsten genannt wurden eine Reduzierung der Blendung (43,1 Prozent), die Alltagstauglichkeit in Innenräumen (41,8 Prozent) und die Kombinierbarkeit mit der eigenen Brille (40,8 Prozent). Ein geringes Gewicht (40,4 Prozent) und der Tragekomfort (39,5 Prozent) folgen dicht dahinter. Betroffene erwarten demnach keine Speziallösung für den Ausnahmefall, sondern eine Brille, die sich unauffällig in den Alltag fügt.
Was ist Migräne und warum ist Photophobie so belastend?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden Kopfschmerzattacken. Typisch sind mittelstarke bis starke, oft einseitige und pulsierende Schmerzen, die sich bei körperlicher Aktivität verstärken können. Eine solche Attacke kann mehrere Stunden oder sogar Tage andauern. Hinzu kommen je nach Person Übelkeit, Erbrechen und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen. Manche Betroffene erleben zudem eine Aura, also vorübergehende neurologische Symptome, häufig in Form von Sehstörungen.
Weltweit sind laut den Angaben etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen betroffen. Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) liegt die Häufigkeit bei Frauen bei etwa 12 bis 14 Prozent, bei Männern bei 6 bis 8 Prozent. Die DMKG weist darauf hin, dass fast alle Menschen mit Migräne ihre Erkrankung als Beeinträchtigung des täglichen Lebens erleben. Für Deutschland ist von rund acht Millionen Betroffenen die Rede. Erschwerend kommt hinzu, dass die Erkrankung von außen meist nicht sichtbar ist und deshalb mitunter unterschätzt wird.
Die ausgeprägte Lichtempfindlichkeit, fachsprachlich Photophobie genannt, gehört zu den typischen Begleiterscheinungen. Helles Sonnenlicht, starke Beleuchtung in Büros oder Geschäften und die Arbeit am Bildschirm können während einer Attacke kaum auszuhalten sein. Die Ausprägung ist individuell verschieden, ebenso die Frage, welche Lichtquellen als besonders störend empfunden werden. Neben der ärztlichen Behandlung können angepasste Beleuchtung, regelmäßige Pausen oder geeignete Filtergläser den Umgang mit Licht erleichtern.

Eschenbach: Helfen Spezialgläser bei migränebedingtem Kopfschmerz?
Für diesen Zweck bietet Eschenbach die acunis®-Komfortgläser an. Der Hersteller beschreibt sie als Filtergläser, die jenen Lichtanteil dämpfen, der als besonders unangenehm empfunden wird. Sie sind in drei Tönungsgraden (25, 50 und 75 Prozent) erhältlich und können je nach Modell mit oder ohne Sehstärke eingesetzt werden. Welche Kombination geeignet ist, hängt laut Hersteller davon ab, wie stark die Lichtempfindlichkeit ausgeprägt ist und in welchen Situationen die Gläser getragen werden sollen.
Eine Antwort aus der Praxis liefert ein Selbsttest der DOZ-Volontärin und Augenoptikermeisterin Lisa Meinl, die selbst unter Migräne leidet und auf Triptane (spezielle Migränemedikamente) allergisch reagiert. Ihrem Bericht zufolge war die Wirkung der Gläser während einer Migräneattacke stärker als bei gewöhnlichen Kopfschmerzen. Die 50-prozentige Tönung dämpfte das Licht deutlich, ließ die Umgebung in wärmeren Farbtönen erscheinen und brachte während der Attacken stets einen positiven Effekt. Die 75-prozentige Variante empfand sie in manchen Situationen als zu dunkel, das Sehen wirkte teils verfälscht oder unwirklich. Die hellste Stufe zeigte meist zu wenig oder keine Wirkung. Zudem stellte sie fest, dass dieselbe Tönung an verschiedenen Tagen unterschiedlich wirkte. Ihr Fazit: Die Gläser sollten in akuten Situationen und im gewohnten Umfeld ausprobiert werden können.
Wichtig bleibt die Einordnung: Die Gläser sind kein Medikament und keine Behandlung der Migräne selbst. Sie können eine sinnvolle Ergänzung im Umgang mit der Lichtempfindlichkeit sein, ersetzen aber weder die ärztliche Diagnose noch eine individuell abgestimmte Therapie. Wiederkehrende oder starke Migräne sollte ärztlich abgeklärt werden.

Kantenfilter: eine andere Gläsergruppe mit anderem Einsatzgebiet
Von den rosa bis violett gefärbten Migränegläsern abzugrenzen sind Kantenfiltergläser (speziell getönte Gläser, die bestimmte Wellenlängen herausfiltern). Sie kommen bei schwerwiegenden Augenerkrankungen mit erheblichem Visusverlust (Sehschärfe) zum Einsatz, etwa bei altersbedingter Makuladegeneration, Achromatopsie, Albinismus, Zapfen-Stäbchen-Dystrophie, Iriskolobom oder Retinitis pigmentosa, ebenso bei Photochemotherapien. Die Farbpalette reicht von Gelb über Orange und Rot bis Braun. Diese Töne filtern kurzwelliges blaues Licht heraus, wodurch der Kontrast steigen und das Streulicht abnehmen soll.
Verbindliche Vorgaben, welches Glas für welche Erkrankung am besten geeignet ist, gibt es nicht. Augenoptikern wird daher geraten, Kunden die Gläser unter verschiedenen Lichtverhältnissen testen und selbst entscheiden zu lassen. Hersteller wie Eschenbach oder Schweizer stellen dafür Musterkoffer mit Farbvarianten als Glas oder Vorhalter bereit, zudem gibt es XL-Fassungen, die über die eigene Brille gezogen werden können. Nicht alle Gläser sind verkehrstauglich. Selbst wenn Betroffene wegen ihres geringen Visus ohnehin nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen dürfen, sollten Augenoptiker im Beratungsgespräch darauf hinweisen.
Die Umfrage ist nicht repräsentativ und stammt von einem Hersteller, der selbst Filtergläser anbietet. Sie liefert dennoch ein bemerkenswertes Signal: Betroffene sehen im Augenoptiker einen gefragten Ansprechpartner, finden aber offenbar zu selten den Weg dorthin oder bekommen keine passende Beratung. Für den Fachhandel liegt darin eine Chance, sich bei einem verbreiteten, im Alltag oft unterschätzten Leiden zu profilieren. Voraussetzung sind Wissen über die Wirkung von Filtern, die Bereitschaft zum ausführlichen Ausprobieren in Alltagssituationen und eine klare Kommunikation der Grenzen: Brillengläser lindern die Lichtbelastung, die Migräne behandeln sie nicht.
Quellen: Eschenbach zum 12. September: Europäischer Kopfschmerz- und Migränetag
Eschenbach acunis® Komfortgläser & LICHTEMPFINDLICH BEI MIGRÄNE?
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