Ein erhöhter Augeninnendruck ist noch lange kein Glaukom. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn nicht jede Person mit einer sogenannten okulären Hypertension entwickelt tatsächlich einen Grünen Star. Wer das individuelle Risiko richtig einschätzt, kann gefährdete Personen frühzeitig an den Augenarzt weiterleiten – denn dabei kommt es auf mehr an als nur einen einzelnen Messwert.

Erhöhter Augeninnendruck: Ist das schon ein Grüner Star?
Okuläre Hypertension liegt vor, wenn der Augeninnendruck erhöht ist, aber noch keine typischen Glaukomschäden an Sehnerv, Gesichtsfeld oder Netzhaut nachweisbar sind. Erst wenn sich strukturelle oder funktionelle Veränderungen zeigen, spricht man von einem Glaukom.
Für die augenoptische Praxis ist diese Unterscheidung wichtig. Denn ein erhöhter Augeninnendruck ist zunächst ein Risikofaktor, nicht automatisch eine Erkrankung. Entscheidend ist deshalb die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich aus der okulären Hypertension im Verlauf ein primäres Offenwinkelglaukom entwickelt – und wann eine Überweisung zum Augenarzt erforderlich wird.
Glaukom-Risiko bestimmen: Diese Werte sind beim hohen Augeninnendruck relevant
Bei der Bewertung des Progressionsrisikos zählt nicht nur der Augeninnendruck selbst, sondern das Gesamtbild. Besonders relevant sind das Alter der Person, die Höhe des Drucks, die zentrale Hornhautdicke und eine mögliche familiäre Vorbelastung. Die Hornhautdicke ist deshalb so wichtig, weil eine dünnere Hornhaut den gemessenen Druck verfälschen und als Risikofaktor gelten kann.
Auch die Bildgebung spielt eine wichtige Rolle. Mit der optischen Kohärenztomografie, kurz OCT, lassen sich Sehnerv und Netzhaut sehr präzise darstellen. Ergänzend liefern Gesichtsfelduntersuchungen Hinweise darauf, ob bereits erste Funktionsausfälle vorliegen.
OHTS-Studie: Wie hoch ist mein Risiko für Glaukom bei hohem Druck?
Wichtige Orientierung liefert die bereits 2002 veröffentlichte Ocular Hypertension Treatment Study², kurz OHTS. In dieser Studie² wurden Betroffene mit erhöhtem Augeninnendruck entweder beobachtet oder mit drucksenkenden Augentropfen behandelt. Die OHTS-Studie hat gezeigt: Von 100 unbehandelten Patienten bekamen nur 10 Personen in 5 Jahren ein Glaukom – 90% waren also unauffällig.
Übersetzt heißt das für die Augenoptik: Auffällige Druckwerte sind nicht automatisch ein Hinweis auf Glaukom. Dennoch sollten sie immer dokumentiert werden. Und bei wiederholten Erhöhungen sollte der Kunde an einen Augenarzt weitergeleitet werden.
Glaukom-Risikofaktoren erkennen: Risikokalkulator als Hilfsmittel
Besonders aufmerksam sollte man bei Kunden mit mehreren Risikofaktoren sein. In der Praxis hat sich deshalb der Einsatz von Risikokalkulatoren bewährt. Bei diesem Online-Tool werden Alter, Druckwert und Hornhautdicke eingegeben und das 5-Jahres-Glaukom-Risiko als Prozentzahl errechnet.
Augenoptiker können durch genaue Dokumentation von Risikofaktoren die ophthalmologischen Kollegenkreise optimal unterstützen. Ein solches Instrument ersetzt keine ärztliche Entscheidung, schafft aber eine klare Grundlage für das Gespräch mit dem Kunden.
Hohen Augeninnendruck behandeln oder beobachten? Das ist die richtige Strategie
Nicht jeder Kunde mit okulärer Hypertension braucht also sofort eine Dauertherapie. Bei grenzwertigem Risiko kann eine engmaschige Verlaufskontrolle die bessere Lösung sein. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen von Augeninnendruck, Papille, OCT und Gesichtsfeld. Augenoptiker spielen hier eine Schlüsselrolle bei der Frühidentifikation und Überweisung. So lassen sich erste Veränderungen früh erkennen.
Augeninnendruck-Messung: Was Optiker und Optikbetriebe beachten müssen
Der Augenoptiker ist für Betroffene häufig die erste Anlaufstelle. Auffällige Druckwerte, Hinweise auf Sehprobleme oder dokumentierte Veränderungen am Auge sollten daher ernst genommen und der Kunde im Zweifel an den Augenarzt weitergeleitet werden. Das gilt besonders dann, wenn Kunden bereits über unscharfes Sehen, Kopfschmerzen oder bekannte Vorbelastungen berichten.
Und auch, wenn die Augenoptik nicht zwingend für die Früherkennung von Augenerkrankungen zuständig ist, können sie durchaus als Schnittstelle fungieren: Augenscreenings ins Versorgungskonzept zu integrieren, kann nicht nur dazu beitragen, Risikopatienten früher zu identifizieren, sondern auch die Kundenbindung stärken und sogar ein finanziell attraktives Zusatzangebot schaffen. Dafür gibt es auch einsteigerfreundliche Lösungen, wie uns Marius Fischer von der DAO im Gespräch erklärt hat.
Zusammengefasst: Okuläre Hypertension ist kein Glaukom, kann aber ein relevantes Vorstadium sein. Für die richtige Entscheidung zwischen Beobachtung und Therapie sind nicht nur der Augeninnendruck, sondern auch Hornhautdicke, Alter, Familienanamnese und der Zustand von Sehnerv und Gesichtsfeld entscheidend. Und Augenoptiker können durch frühzeitige Identifikation durch Augenscreenings und einer rechtzeitigen Weiterleitung zum Augenarzt maßgeblich zur Glaukom-Prävention beitragen.
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