Anzeige
Home | Branche | Materialvergleich: Warum immer mehr Hersteller bei Kontaktlinsen auf Silikonhydrogel setzen
Produkte

Materialvergleich: Warum immer mehr Hersteller bei Kontaktlinsen auf Silikonhydrogel setzen

Die Materialwahl bei Kontaktlinsen entwickelt sich zunehmend zu einer strategischen Frage: Während klassische Hydrogel-Kontaktlinsen über Jahrzehnte als Standard galten, rücken heute Silikonhydrogel-Materialien immer stärker in den Mittelpunkt. Ein aktuelles Beispiel liefert CooperVision: Das Unternehmen richtet sein Portfolio in der DACH-Region neu aus und setzt künftig überwiegend auf Silikonhydrogel-Kontaktlinsen. Dahinter steht eine Entwicklung, die sich aktuell im gesamten Markt beobachten lässt.

Materialvergleich: Warum immer mehr Hersteller bei Kontaktlinsen auf Silikonhydrogel setzen
Bild: © Freepik

Warum Silikonhydrogel für viele Versorgungen an Bedeutung gewinnt

Der wesentliche Unterschied zwischen Hydrogel und Silikonhydrogel liegt in der Sauerstoffdurchlässigkeit. Während klassische Hydrogel-Kontaktlinsen Sauerstoff überwiegend über ihren Wassergehalt transportieren, ermöglicht der Silikonanteil moderner Materialien eine deutlich effizientere Sauerstoffpermeabilität. Dadurch gelangt erheblich mehr Sauerstoff an die Hornhaut, was insbesondere bei längeren Tragezeiten als wichtiger Vorteil gilt.

Für die Augengesundheit spielt dieser Aspekt eine zentrale Rolle. Eine unzureichende Sauerstoffversorgung kann unter anderem zu trockenen Augen, Rötungen oder einer Belastung der Hornhaut führen. Silikonhydrogel kann dieses Risiko in vielen Fällen reduzieren und trägt häufig zu einer verbesserten Sauerstoffversorgung bei. Entsprechend hat sich das Material in den vergangenen Jahren als bevorzugte Option für zahlreiche Kontaktlinsenanpassungen etabliert.

Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass klassische Hydrogel-Kontaktlinsen grundsätzlich als veraltet oder ungeeignet gelten. Sie zeichnen sich durch eine hohe Flexibilität und einen oft sehr angenehmen Ersteindruck beim Tragen aus. Besonders bei einzelnen Patienten mit speziellen Anforderungen oder bestimmten Formen trockener Augen können Hydrogelmaterialien nach Einschätzung von Fachleuten weiterhin eine sinnvolle Option darstellen.

Silikonhydrogel-Kontaktlinsen (Quelle: © Kontaktlinseninfo.de)
Silikonhydrogel-Kontaktlinsen (Quelle: © Kontaktlinseninfo.de)

Welche Nachteile hat klassisches Hydrogel?

Die Grenzen des Materials zeigen sich vor allem bei längeren Tragezeiten. Hydrogel-Kontaktlinsen besitzen einen hohen Wassergehalt, der im Tagesverlauf jedoch abnehmen kann. Dass die Linsen an Feuchtigkeit verlieren, geht zu Lasten von Tragekomfort.

Hinzu kommt die geringere Sauerstoffdurchlässigkeit. Gerade bei modernen Lebensgewohnheiten mit langen Bildschirmzeiten und häufigen Tragezeiten über viele Stunden hinweg rückt dieser Faktor stärker in den Fokus. Hersteller investieren deshalb verstärkt in Materialien, die eine bessere Versorgung der Hornhaut ermöglichen und gleichzeitig hohen Komfort bieten.

Allerdings besitzt auch Silikonhydrogel keine ausschließlich positiven Eigenschaften. Das Material ist etwas formstabiler und wird von einzelnen Kontaktlinsenträgern insbesondere während der Eingewöhnung teilweise als etwas spürbarer beschrieben. Zudem kann die Oberfläche – abhängig vom Material und der Oberflächenbehandlung – anfälliger für Lipidablagerungen sein. Moderne Beschichtungen und Materialtechnologien werden jedoch gezielt eingesetzt, um diese Effekte weitgehend zu reduzieren.

CooperVision setzt auf ein schlankeres Silikonhydrogel-Portfolio

Vor diesem Hintergrund kündigte CooperVision eine umfassende Portfolioanpassung an. Wie das Unternehmen mitteilt, werde das Angebot an weichen Kontaktlinsen in der DACH-Region künftig überwiegend auf Silikonhydrogel-Materialien ausgerichtet. Ziel sei es, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Portfolios zu sichern und gleichzeitig moderne Materialtechnologien sowie weiterentwickelte optische Designs bereitzustellen.

CooperVision zufolge erfolgt die Umstellung schrittweise über einen Zeitraum von zwei Jahren. Betroffen sind ausgewählte Hydrogel-Produkte der Marken Biomedics und Proclear. Die Anpasskontaktlinsen dieser Produktlinien wurden bereits zum 30. April 2026 eingestellt, während Verkaufslinsen bis Ende Oktober 2027 auslaufen sollen. Erhalten bleiben unter anderem Biomedics 1 day Extra sphere sowie Proclear 1 day sphere.

Nach Angaben des Unternehmens stehen für nahezu alle auslaufenden Produkte Alternativen aus den Silikonhydrogel Reihen Biofinity, Avaira oder clariti 1 day zur Verfügung. Damit soll die Umstellung für Augenoptiker möglichst reibungslos erfolgen und bestehende Versorgungen ohne größere Einschränkungen fortgeführt werden können.

Geschäftsführer Andreas Sudrow betont, dass die Entscheidung Teil einer globalen und langfristigen Strategie sei. Die Anforderungen an Augengesundheit, Tragekomfort und professionelle Anpassung würden kontinuierlich steigen. Vor diesem Hintergrund investiere CooperVision gezielt in ein Portfolio, das sowohl medizinisch sinnvoll als auch wirtschaftlich skalierbar und langfristig marktfähig sei.

Materialkompetenz gewinnt in der Kundenberatung an Bedeutung

Für Augenoptiker dürfte die Entwicklung vor allem die Beratungsarbeit beeinflussen. Je stärker Hersteller ihre Portfolios auf Silikonhydrogel konzentrieren, desto wichtiger wird die verständliche Erklärung der Materialunterschiede gegenüber dem Endkunden. Dabei sollte deutlich werden, dass nicht allein der subjektive Tragekomfort entscheidend ist, sondern auch die langfristige Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff.

Die grundsätzliche Empfehlung für oder gegen ein Material lässt sich dennoch nicht pauschal treffen. Vielmehr hängt die optimale Versorgung von individuellen Faktoren wie Tragedauer, Augenoberfläche, Tränenfilm und persönlichen Bedürfnissen ab. Die fachgerechte Anpassung bleibt deshalb weiterhin der entscheidende Erfolgsfaktor.

Die Fokussierung auf Silikonhydrogel ist weniger als Abkehr von Hydrogel zu verstehen, sondern vielmehr als Ausdruck eines langfristigen technologischen Wandels. Die höhere Sauerstoffdurchlässigkeit spricht in vielen Versorgungsfällen für moderne Materialien, ohne dass klassische Hydrogel-Kontaktlinsen ihre Berechtigung vollständig verlieren. CooperVision macht diese Entwicklung mit seiner Portfolioanpassung nun besonders sichtbar und setzt damit ein Zeichen für die künftige Ausrichtung des Kontaktlinsenmarktes.

Quellen: Pressemitteilung “CooperVision richtet sein Kontaktlinsen-Portfolio neu aus

Hydrogel vs. Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen: Was sind die Vor- und Nachteile?” / “Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen

Christoph Hillermann-Giannoutsos
Anzeige
Anzeige