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Selbstheilende Kontaktlinsen: Neues Hydrogel repariert Kratzer mit UV Licht

Kratzer gehören zu den häufigsten Gründen, warum weiche Kontaktlinsen ersetzt werden müssen. Bereits kleine Beschädigungen können die Sichtqualität beeinträchtigen oder den Tragekomfort spürbar verringern. Ein Forschungsteam aus Südkorea hat nun ein Hydrogel entwickelt, das solche Defekte selbstständig beheben kann. Der Studie zufolge genügt eine einstündige Bestrahlung mit UV-Licht, um Kratzer im Material weitgehend verschwinden zu lassen und einen Großteil der ursprünglichen Stabilität wiederherzustellen. Noch befindet sich die Technologie im Forschungsstadium. Dennoch könnte sie den Weg für langlebigere Kontaktlinsen und weitere Innovationen in der Medizintechnik ebnen.

Selbstheilende Kontaktlinsen: Neues Hydrogel repariert Kratzer mit UV Licht
Bild: © rawpixel.com / Magnific

Selbstheilendes Hydrogel soll die Lebensdauer von Kontaktlinsen verlängern

Hinter der Entwicklung stehen die Wissenschaftler Jung Hyun Choi und Byoung Ki Cho, die ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift ACS Applied Polymer Materials veröffentlicht haben. Im Mittelpunkt der Arbeit steht ein Hydrogel, also ein wasserhaltiges Polymernetzwerk, das bereits heute die Basis vieler weicher Kontaktlinsen bildet. Seine hohe Flexibilität, Transparenz und Wasserspeicherfähigkeit machen das Material für den Einsatz am Auge besonders geeignet.

Bislang hatte Hydrogel jedoch einen entscheidenden Nachteil. Mechanische Beschädigungen wie Kratzer oder feine Risse ließen sich nicht reparieren und führten häufig zum Austausch der Linse. Genau an diesem Punkt setzt die neue Entwicklung an. Das Material wurde so konzipiert, dass es seine innere Struktur nach einer Beschädigung eigenständig neu organisieren kann.

Wie funktioniert die Reparatur durch UV Licht?

Der innovative Ansatz unterscheidet sich deutlich von bisherigen Konzepten selbstheilender Materialien. Frühere Systeme mussten über mehrere Stunden erhitzt werden, um den Reparaturprozess in Gang zu setzen. Für Kontaktlinsen wäre dieses Verfahren wenig praktikabel, da Wärme dem Material Wasser entzieht und seine Eigenschaften verändern kann.

Das neue Hydrogel reagiert stattdessen auf UV-Licht mit einer Wellenlänge von 365 Nanometern. Während der Bestrahlung findet ein sogenannter Disulfidaustausch statt. Dabei lösen sich Schwefelverbindungen innerhalb des Polymernetzwerks vorübergehend und bilden anschließend neue Bindungen. Auf diese Weise schließt sich die beschädigte Struktur nahezu selbstständig.

Den Angaben der Forscher zufolge reichte eine einstündige UV-Behandlung aus, um Kratzer in den Testproben weitgehend zu beseitigen. Gleichzeitig wurden die mechanischen Eigenschaften des Materials größtenteils wiederhergestellt. Der Reparaturprozess erfolgt zudem bei Raumtemperatur, wodurch der für Kontaktlinsen wichtige Wassergehalt erhalten bleibt.

Kratzfest und antibakteriell: Schutzschicht ergänzt Selbstheilung

Die Arbeitsgruppe beschränkte sich nicht allein auf den Selbstheilungsmechanismus. Zusätzlich erhielt das Hydrogel eine Oberflächenbeschichtung aus Methacryloyloxyethyl Phosphorylcholin, kurz MPC. Solche Beschichtungen werden bereits seit einiger Zeit für verschiedene biomedizinische Anwendungen untersucht.

Wie es heißt, kann MPC die Anlagerung von Proteinen und Mikroorganismen deutlich reduzieren. Gleichzeitig erhöht die Beschichtung die Widerstandsfähigkeit gegenüber Abrieb. Das Konzept verfolgt damit zwei Ziele zugleich: Beschädigungen sollen möglichst verhindert werden und verbleibende Mikrokratzer anschließend durch den integrierten Selbstheilungsmechanismus verschwinden.

Selbstheilendes Hydrogel: Abrasionstest bestätigt hohe Transparenz des Materials

Um die Belastbarkeit des neuen Hydrogels zu prüfen, unterzogen die Wissenschaftler das Material wiederholten Abrasionstests mit feinem Schleifpapier. Solche Versuche simulieren mechanische Beanspruchungen, wie sie auch im täglichen Umgang mit Kontaktlinsen auftreten könnten.

Die Ergebnisse fallen vielversprechend aus. Trotz mehrfacher Belastung blieb die Transparenz nahezu vollständig erhalten. Die Lichtdurchlässigkeit verringerte sich lediglich um rund zwei Prozent. Das deutet darauf hin, dass die Schutzschicht die Oberfläche wirksam vor Verschleiß schützen kann. Ob sich diese Eigenschaften auch unter realen Tragebedingungen bestätigen, müssen allerdings weitere Untersuchungen zeigen.

Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für die Augenoptik?

Neben einer hohen Kratzfestigkeit müssen moderne Kontaktlinsen zahlreiche weitere Anforderungen erfüllen. Entscheidend sind unter anderem Sauerstoffdurchlässigkeit, Flexibilität, Wasserbindung und ein dauerhaft angenehmer Tragekomfort.

Nach Angaben des Forschungsteams weist das entwickelte Hydrogel mechanische Eigenschaften auf, die mit heutigen weichen Kontaktlinsen vergleichbar sind. Auch die Fähigkeit zur Wasserspeicherung bleibt vollständig erhalten. Damit wären wichtige Voraussetzungen für einen späteren Einsatz erfüllt. Vor einer möglichen Markteinführung stehen jedoch umfangreiche biokompatible Tests sowie klinische Untersuchungen, die Sicherheit und Langzeitverträglichkeit bestätigen müssen.

Selbstheilende Materialien eröffnen neue Perspektiven

Die Bedeutung der Entwicklung dürfte über die Kontaktlinse hinausreichen. Selbstheilende Polymernetzwerke gelten seit Jahren als vielversprechendes Forschungsfeld der Materialwissenschaft. Ziel ist es, Werkstoffe zu schaffen, die Beschädigungen eigenständig ausgleichen und ihre Funktion über längere Zeit erhalten.

Entsprechende Konzepte werden bereits für medizinische Implantate, Biosensoren, flexible Elektronik und Anwendungen der weichen Robotik untersucht. Das nun vorgestellte Hydrogel zeigt, dass sich solche Technologien zunehmend auch für die Ophthalmologie nutzen lassen könnten.

Das selbstheilende Hydrogel verbindet Kratzschutz, antibakterielle Eigenschaften und einen innovativen Reparaturmechanismus in einem Material. Zwar ist der Weg bis zur marktreifen Kontaktlinse noch weit, die aktuellen Forschungsergebnisse liefern jedoch einen überzeugenden Ausblick auf widerstandsfähigere und langlebigere Sehhilfen der nächsten Generation.

Studie: Biopolymer-Based Stimuli-Responsive and Self-Healing Conductive Hydrogels for Next-Generation Bioelectronics Interfaces. Salaman Ahamad, Shaista Fatima, Komal Singh, Sham S. Ravindranath, S. Gopika Devi, Adil Ali, Ankush Kumar, and Gaurav Manik. ACS Applied Polymer Materials. 2026. 8 (10), 6954-7007 DOI: 10.1021/acsapm.6c00188

Christoph Hillermann-Giannoutsos
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