Wenn es um Risikofaktoren für Glaukom ging, spielte die Schalfposition bislang eigentlich keine Rolle. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass selbst scheinbar harmlose Gewohnheiten im Schlafzimmer den Augeninnendruck beeinflussen können. Forschende der Zhejiang-Universität berichten, dass eine erhöhte Kopfkissenposition mit angehobenem Oberkörper den Augeninnendruck steigern und zugleich den okulären Perfusionsdruck (Blutdruck in den Gefäßen des Auges) senken kann. Für Glaukompatienten könnte dies klinisch relevant sein, wie eine aktuelle Untersuchung im British Journal of Ophthalmology zeigt.

Schlafposition und Augeninnendruck: Wie stark wirkt sich ein hohes Kissen aus?
Der Augeninnendruck, medizinisch Intraokulardruck (IOD) genannt, reagiert empfindlich auf Veränderungen der Körperhaltung. Schon länger ist bekannt, dass Lagewechsel messbare Auswirkungen haben können. Eine aktuelle Studie aus China untersucht nun eine weit verbreitete Schlafgewohnheit – das Schlafen mit deutlich erhöhtem Oberkörper.
An der Untersuchung nahmen 144 Personen mit diagnostiziertem Glaukom teil. Gemessen wurde der Augeninnendruck in zwei Situationen: in flacher Rückenlage und in einer sogenannten hohen Kissenposition, bei der der Kopf mit zwei Kissen um etwa 20 bis 35 Grad angehoben war.
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Unterschied: In der erhöhten Position lag der durchschnittliche Augeninnendruck bei 17,42 ± 4,34 mmHg, in Rückenlage dagegen bei 16,62 ± 3,81 mmHg. Auch die Druckschwankungen über 24 Stunden fielen in der erhöhten Position stärker aus – im Mittel 2,60 mmHg gegenüber 2,26 mmHg in Rückenlage.
Rund zwei Drittel der Teilnehmenden, insgesamt 96 von 144 (66,7 Prozent), reagierten deutlich auf den Positionswechsel. Bei ihnen stieg der Augeninnendruck beim Wechsel in die hohe Kissenposition im Schnitt um 1,61 ± 1,31 mmHg an.
Warum sinkt gleichzeitig der okuläre Perfusionsdruck?
Parallel dazu registrierten die Forschenden eine Veränderung beim okulären Perfusionsdruck (OPP = Druck, mit dem das Blut das Auge versorgt). Ein niedrigerer OPP weist auf eine eingeschränkte Durchblutung der Augenstrukturen hin und kann das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen.
In der hohen Kissenposition lag der OPP im Mittel bei 54,57 ± 8,19 mmHg, in Rückenlage dagegen bei 58,71 ± 8,02 mmHg – ein statistisch signifikanter Unterschied. Eine gleichzeitige Kombination aus leicht erhöhtem Augeninnendruck, stärkeren Druckschwankungen und gesenktem Perfusionsdruck könnte den Sehnerv zusätzlich belasten.
Zudem gelten ausgeprägte Schwankungen des Augeninnendrucks selbst als unabhängiger Risikofaktor für die Progression der glaukomatösen Optikusneuropathie (fortschreitende Schädigung des Sehnervs durch das Glaukom).
Möglicher Mechanismus: Kompression der Halsvenen
Um die physiologischen Mechanismen (körperlichen Abläufe) besser zu verstehen, untersuchten die Forschenden bei 20 gesunden Freiwilligen mittels Ultraschall die Veränderungen der Vena jugularis (Halsvene, leitet Blut vom Kopf zum Herzen) in unterschiedlichen Körperhaltungen.
Die Aufnahmen zeigten eine deutliche Verengung des Venenlumens (innerer Durchmesser des Blutgefäßes), wenn der Kopf erhöht gelagert war. Sowohl die innere als auch die äußere Halsvene zogen sich sichtbar zusammen. Gleichzeitig nahm die maximale Fließgeschwindigkeit des Blutes in der inneren Jugularvene (Hauptvene im Hals) zu.
Diese Kompression der Halsvenen könnte den venösen Abfluss (Rückfluss des Blutes vom Kopf zum Herzen) behindern, wodurch sich Druck im Kopf- und Augenbereich aufbauen kann. Das gilt als plausible Erklärung für den Anstieg des Augeninnendrucks in erhöhter Kopfposition.
Bedeutung für die klinische Praxis und Optikberatung
Für Glaukompatienten ergibt sich daraus ein einfacher, aber möglicherweise relevanter Hinweis: Schlafpositionen, die eine starke Kompression der Halsvenen fördern, sollten möglichst vermieden werden. Dazu zählt insbesondere eine Lagerung mit mehreren hohen Kissen oder einem stark angehobenen Oberkörper.
Solche Anpassungen lassen sich leicht in den Alltag integrieren und könnten langfristig helfen, den Augeninnendruck stabil zu halten. Zwar betonen die Forscher, dass weitere Untersuchungen nötig sind, doch es spricht vieles dafür, dass auch die nächtliche Körperhaltung Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben kann.
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass eine hohe Kopfkissenposition bei Glaukompatienten den Augeninnendruck erhöhen und den okulären Perfusionsdruck senken kann. Das Schlafen mit stark angehobenem Oberkörper könnte somit ungünstige Druckverhältnisse im Auge fördern. Eine möglichst flache Rückenlage scheint dagegen physiologisch günstiger zu sein. Weitere Studien sollen klären, welchen langfristigen Beitrag solche einfachen Verhaltensmaßnahmen im Glaukommanagement leisten können.
Zur Studie: Liu T, Hu M, Liu X, et al. Association of high-pillow sleeping posture with intraocular pressure in patients with glaucoma. British Journal of Ophthalmology. Erstveröffentlichung: 27.01.2026. doi: 10.1136/bjo-2025-328037
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„Unerwartet: Adipositas senkt Glaukom-Risiko laut Studie“.
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