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Nachhaltige Brillen Part 1: FUNK/SCHUSTER stellt Fassungen aus Zigarettenfiltern her

Nachhaltigkeit ist in der Brillenbranche längst ein vertrauter Begriff – aber nicht immer ist klar, wie viel Substanz dahintersteckt. Oft werden bestehende Prozesse nur leicht angepasst und kommunikativ „grün” inszeniert. Wer nach konkreten Beispielen für konsequent gedachte Kreislaufwirtschaft sucht, landet früher oder später in Kinsau, einem kleinen Ort in Oberbayern. Dort hat FUNK Eyewear eine Produktion aufgebaut, in der möglichst viele Schritte – von der Materialbasis bis zur fertigen Fassung – unter eigener Regie stattfinden. Eines der ungewöhnlichsten Konzepte: Brillen aus Zigarettenfiltern.

Vom Aschenbecher auf die Nase - Wie FUNK Eyewear mit radikaler Kreislaufwirtschaft die Optikbranche aufmischt
Bild: © FUNK Eyewear

FUNK eyewear lebt Nachhaltigkeit aus Überzeugung

Dieter Funk, CEO von FUNK Eyewear, ist nicht nur Namensgeber der Marke, sondern auch treibende Kraft hinter einem besonderen Kreislaufwirtschaftskonzept. Aus einem Unabhängigkeitsbestreben heraus verfolgt er das Ziel, möglichst viele Produktionsschritte zu sich nach Kinsau zu holen, um so die praktische Nachhaltigkeitsperspektive konsequent leben zu können.

Dass das Unternehmen mittlerweile vor Ort Acetatplatten produzieren und recyceln kann, ist für ihn weniger Imageprojekt als logische Konsequenz aus seiner langen Erfahrung als Brillenmacher. Dabei versteht er Nachhaltigkeit nicht als Sonderkollektion, sondern als grundsätzliche Haltung, die Design, Materialwahl und Reparierbarkeit gleichermaßen prägt. Und hier reiht sich die Zusammenarbeit mit dem Partner Imeko in besonderem Maße ein.

Dieter Funk, CEO FUNK eyewear, im Interview mit GoToOptic
Dieter Funk, CEO FUNK eyewear, im Interview mit go-to-optic.de

Wenn Zigarettenfilter zur Brille werden

Imeko, ein chilenisches Startup, ermöglicht dem Hersteller FUNK eyewear sein bislang wohl ungewöhnlichstes Projekt. Imeko hat ein besonderes Material für sich entdeckt: Zigarettenfilter, eines der am weitesten verbreiteten Abfallprodukte weltweit. 

In Chile werden die gesammelten Filter in einem mechanisch-chemischen Verfahren gereinigt und als Granulat (Celion®) nach Kinsau geliefert. Die Filter bestehen aus Celluloseacetat, einem Kunststoff, der in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut wird.

Der Celion®-Kollektion von FUNK/SCHUSTER basiert demnach auf einem Ausgangsmaterial, das zuvor als Müll auf Straßen, Stränden oder in Aschenbechern lag. Nach Angaben von FUNK ähnelt Celion in seinen physikalischen Eigenschaften klassischem Acetat: Das Material ist leicht, formstabil und gut zu bearbeiten. Pro Gestell werden rund 200 Zigarettenstummel in aktuell in 8 Farben und 6 Modelle verarbeitet – der CO₂-Fußabdruck liege laut Hersteller etwa ein Drittel unter dem von neuproduziertem Acetat.

Zero Waste als tägliche Praxis – nicht nur als Label

Der Einsatz von Celion ist nur ein Teil der Geschichte. Um in Kinsau aus dem importierten Granulat Acetatplatten pressen zu können, verwendet das Unternehmen seit 2024 Spezialmaschinen aus Italien. Dadurch wird die Abhängigkeit von externen Plattenlieferanten verringert und die eigene Gestaltungstiefe erhöht. Die Maschinen ermöglicht außerdem, Material zu recyceln – unabhängig vom Ausgangsmaterial.

Der Verschnitt wird gesammelt, sortiert und erneut zu Platten verarbeitet. Auch feine Späne werden wiederverwertet. Die daraus resultierenden Recyclingplatten sind nicht vollkommen homogen – gelegentliche Unregelmäßigkeiten oder leicht unterschiedliche Farbnuancen gehören dazu. Für viele Kunden macht gerade das den Reiz aus: Die Fassung wirkt nicht wie standardisierte Massenware, sondern wie ein Produkt mit Vorgeschichte.

Reparierbarkeit statt Wegwerfmentalität

Die Fassungen selbst sind selbstverständlich qualitativ hochwertig: Eine Brille, die technisch und gestalterisch auf Langlebigkeit ausgelegt ist, muss seltener ersetzt werden – das spart Ressourcen, lange bevor über Recycling gesprochen wird. FUNK konstruiert die Fassungen zudem so, dass sie gut repariert werden können: mit austauschbaren Nieten und stabilen Drahtkernen in den Bügeln. Augenoptiker haben so die Freiheit, Fassungen bei Bedarf polieren, mattieren oder überarbeiten zu können, statt sie bei Defekten ersetzen zu müssen.

Die Kombination aus Materialkreislauf, regionaler Energieversorgung und Reparaturfähigkeit bildet den Kern des FUNK-Ansatzes. Und mal ehrlich: Wer seinen Kunden in der Beratung erklären kann, dass ihre Brille aus 200 recycelten Zigarettenfiltern besteht, die in Chile zu Granulat verarbeitet, in Kinsau zu Platten gepresst wurden und in einer von 8 Farb-/6-Modell-Varianten vorliegt, braucht keine weiteren Argumente.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit erfahrt in unserem zweiten Teil unserer Reihe: Nachhaltige Brillen Part 2: rolf lebt Nachhaltigkeit als Grundprinzip

Christoph Hillermann-Giannoutsos