Nachhaltigkeit wird von Konsumenten immer häufiger vorausgesetzt – auch in der Eyewear-Branche. Manche Hersteller reagieren darauf mit einzelnen Produktlinien oder dem Austausch einzelner Materialien. Für den Hersteller rolf aus Tirol hingegen ist Nachhaltigkeit von Beginn an eine Grundhaltung, und zwar in jeder Facette. Wir haben mit Gründer und CEO Bernhard Wolf gesprochen.

Nachhaltige Brillenmaterialien: Von Holz zu biobasierten Kunststoffen
Laut Bernhard Wolf, CEO von rolf, gehöre Nachhaltigkeit von Beginn an zur Grundhaltung des Unternehmens – und das in jeglicher Hinsicht. Begonnen beim Material der Brillen, ist Holz das wohl bekannteste aus dem im Portfolio von rolf. Der Werkstoff ist eng mit der Markenidentität des Unternehmens verbunden, aus verschiedenen Gründen: Der natürliche Rohstoff ist nachwachsend, biologisch abbaubar und hat in der Verarbeitung eine deutlich günstigere Ökobilanz als konventionelle Brillenkunststoffe auf Petrochemie-Basis.
Darüber hinaus probiert sich rolf im Einsatz von umweltverträglichen Kunststoff-Alternativen aus. Bewährt hat sich Maisstärke – als druckbares Filament für die additive Fertigung. Das Material ist biobasiert, kompostierbar und könnte perspektivisch fossilbasierte Kunststoffe in der 3D-Druckproduktion ersetzen. Bei rolf befindet sich dieser Ansatz noch in der Entwicklungsphase, macht aber die Richtung klar, in die der Hersteller seine Materialentwicklung lenken will. Ziel sei es, den gesamten Lebenszyklus einer Brille, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung, so umweltverträglich wie möglich zu gestalten.

Flexlock®: selbst entwickeltes Scharnier ohne Klebstoff
Ein technisches Detail, das in der Nachhaltigkeitsstrategie von rolf mittlerweile eine zentrale Rolle spielt, ist das selbst entwickelte Scharniersystem Flexlock®. Es kommt vollständig ohne Klebstoffe und ohne Metallschrauben aus. Das Scharnier kann zudem einfach mitgedruckt werden. Und auch mit Holz ist es umsetzbar.
Brillenfront und Bügel werden beim Flexlock® nicht klassisch verschraubt, sondern über zwei elastische Verbindungsringe miteinander verbunden. Diese Ringe werden über kleine Haken an Front und Bügel gespannt und funktionieren wie ein flexibles Scharnier, das Bewegungen zulässt und Belastungen im Alltag abfedert. Beim Öffnen und Schließen der Brille gibt das Material kontrolliert nach und kehrt anschließend in seine Ausgangsform zurück. So bleibt die Verbindung dauerhaft stabil, ohne dass sich etwas lockert oder nachjustiert werden muss.
Die Konstruktion folgt dabei einem bewusst reduzierten Prinzip. Statt vieler Einzelteile besteht die Brille im Kern aus nur drei Komponenten: Front, Bügel und Verbindungsringe. Weniger Teile bedeuten weniger Verschleiß, ein geringeres Gewicht und eine deutlich höhere Lebensdauer. Gleichzeitig erleichtert die einfache Bauweise die Trennung der Materialien am Ende des Produktlebens.
Produktion auf Bestellung: Warum Nachhaltigkeit auch eine Frage der Logistik ist
CEO Bernhard Wolf sieht Nachhaltigkeit nicht allein als Materialeigenschaft. Seiner Einschätzung nach beginnt ökologisches Handeln bereits bei der Frage, wie viel produziert wird. rolf fertigt deshalb ausschließlich auf Bestellung und hält keine Lagerbestände vor.
Dieses Modell hat unmittelbare ökologische Konsequenzen: Es entstehen keine Überproduktionen, keine Restposten, kein Material, das ungenutzt entsorgt werden muss. Ermöglicht wird es durch die additive Fertigung, die im Gegensatz zu traditionellen Produktionsverfahren keine hohen Mindestmengen erfordert und einzelne Stücke ohne Mehraufwand herstellen kann. Für den Fachhandel bedeutet das: keine kapitalintensiven Überbestellungen, keine Saisonware und keine Abverkaufsnotwendigkeiten am Ende einer Kollektion.
Das Geschäftsmodell von rolf zeigt, dass Nachhaltigkeit in der Brillenproduktion über die Auswahl eines einzelnen Materials hinausgeht. Die Kombination aus biobasierten Werkstoffen, klebefreier Scharnierarchitektur und auftragsgebundener Fertigung ergibt eine Strategie, die ökologische Verantwortung strukturell verankert, statt sie als Zusatz zu behandeln. Für den Fachhandel ist das ein Modell, das nicht nur kommunikative Vorteile bietet, sondern auch operative Konsequenzen hat.
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