Smarte Kontaktlinsen gelten als eines der ambitioniertesten Projekte im Bereich tragbarer Elektronik. Immer wieder berichten Unternehmen über technologische Fortschritte, doch ein marktreifes Produkt lässt bislang auf sich warten. Eine der größten Hürden bleibt die zuverlässige und zugleich sichere Energieversorgung der extrem kompakten Systeme. XPANCEO arbeitet nun gemeinsam mit dem Festkörperbatterie-Entwickler ITEN an einem Proof of Concept für eine smarte Kontaktlinse mit integrierter Festkörperbatterie. Der neu entwickelte Mikro-Feststoffakku könnte damit einen wichtigen Schritt für erste praktikable Generationen intelligenter Kontaktlinsen markieren.

Lithium-Ionen-Akkus ungeeignet für smarte Kontaktlinsen
Im Juli 2025 berichteten wir darüber, dass das Startup XPANCEO 250 Millionen US-Dollar für die Entwicklung von AR-Technologie erhält. Dabei gab es vor allem eine große technische Hürde: Die Integration einer Batterie in eine weiche Kontaktlinse stellt Entwickler vor erhebliche Herausforderungen. Klassische Lithium-Ionen-Akkus gelten für diesen Einsatzzweck als nur eingeschränkt geeignet, da sie unter ungünstigen Bedingungen Wärme entwickeln, sich ausdehnen oder im Schadensfall Sicherheitsrisiken bergen können. Für eine Anwendung direkt am Auge sind solche Eigenschaften besonders kritisch.
Gerade im sensiblen Umfeld des Auges spielen mechanische und chemische Belastungen eine entscheidende Rolle. Eine in die Kontaktlinse integrierte Stromquelle muss dauerhaft den Belastungen durch das Blinzeln standhalten und zugleich Temperaturschwankungen zwischen Körper und Umgebung sowie möglichen Einflüssen der Tränenflüssigkeit widerstehen. Herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus stoßen hier schnell an ihre Grenzen, weil sie sich für die dauerhafte Integration in eine flexible Kontaktlinse nur eingeschränkt eignen.
Ultradünn und leistungsstark: Mikro-Feststoffakku für smarte Kontaktlinsen
Die gemeinsam entwickelte Festkörpertechnologie soll diese Risiken reduzieren. Dem Unternehmen zufolge lässt sich der Mikro-Feststoffakku ultradünn ausführen und direkt in die weiche Kontaktlinse integrieren. Gleichzeitig soll die Ausgangsleistung ausreichen, um sowohl ein integriertes Display als auch die drahtlose Datenübertragung zuverlässig mit Energie zu versorgen.
Die Grundlage bildet eine bereits seit Mai 2025 produzierte Mikro-Feststoffbatterie von ITEN. Ihr zentrales Merkmal sind keramische Strukturen mit einem Netzwerk mikroskopisch kleiner Poren. Durch die vergrößerte Oberfläche kann trotz der äußerst kompakten Bauweise eine vergleichsweise hohe Leistungsfähigkeit erzielt werden. Außerdem soll die Effizienz der Energiespeicherung verbessert werden.
Nach Angaben der Unternehmen wurde inzwischen ein erster Proof of Concept vorgelegt. Dieser soll zeigen, dass sich die Technologie grundsätzlich weiterentwickeln und perspektivisch auch für eine industrielle Skalierung in smarten Kontaktlinsen nutzen lässt. Ob daraus tatsächlich ein marktreifes Produkt entsteht, bleibt allerdings offen.

Hält das Unternehmen XPANCEO, was es verspricht?
XPANCEO gehört zu den auffälligsten Akteuren im Bereich intelligenter Kontaktlinsen. Das 2021 gegründete Unternehmen mit Sitz in Dubai hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Anwendungen rund um smarte Kontaktlinsen angekündigt. Dazu zählen unter anderem integrierte Displays, die Messung des Glukosespiegels für Diabetespatienten, Systeme zur Früherkennung von Augenerkrankungen, Nachtsichtfunktionen sowie in die Kontaktlinse integrierte Solarzellen zur kontinuierlichen Energieversorgung.
Allerdings gilt das Unternehmen in Fachkreisen auch als umstritten. Kritiker verweisen darauf, dass bislang nur wenige konkrete Ergebnisse präsentiert worden seien, während die Zahl der angekündigten Technologien kontinuierlich wachse. Ungeachtet dessen zeigt die Kooperation mit ITEN, dass XPANCEO weiter an technologischen Bausteinen arbeitet, die smarte Kontaktlinsen langfristig praktikabler machen könnten.
Mikro-Feststoffakku könnte smarte Kontaktlinsen entscheidend voranbringen
Für die Augenoptik und die Kontaktlinsenbranche könnte eine sichere und leistungsfähige Mikro-Batterie einen wichtigen Technologiesprung darstellen. Viele bislang diskutierte Anwendungen scheitern nicht an Sensorik oder Miniaturisierung, sondern an der Energieversorgung auf engstem Raum. Gelingt es tatsächlich, einen leistungsfähigen Feststoffakku dauerhaft in eine weiche Kontaktlinse zu integrieren, würden sich neue Möglichkeiten für medizinische Diagnostik, erweiterte Informationsanzeigen und digitale Assistenzsysteme eröffnen.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass zwischen einem erfolgreichen Labornachweis und einer breiten Markteinführung noch zahlreiche regulatorische und technische Hürden liegen. Insbesondere Fragen zur Langzeitstabilität, Biokompatibilität und Alltagstauglichkeit dürften für eine spätere Zulassung entscheidend sein.
Der vorgestellte Mikro-Feststoffakku adressiert eines der größten technischen Probleme smarter Kontaktlinsen und könnte deren Entwicklung spürbar voranbringen. Ob die Technologie den Weg in serienreife Produkte findet, lässt sich derzeit jedoch nicht beurteilen. Die präsentierten Ergebnisse markieren einen interessanten Zwischenschritt, ersetzen aber noch keinen belastbaren Hinweise auf den praktischen Einsatz im Alltag.
Quelle: XPANCEO and ITEN Create Proof of Concept for Smart Lens with Integrated Solid-State Battery
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