Was lange als leiser Innovationswettlauf begann, könnte nun in einer der lautesten Patentschlachten der jungen Wearables-Geschichte enden. Im Zentrum steht ausgerechnet ein Produkt, das den Massenmarkt für Smartglasses endlich erobert hat: die Ray-Ban Meta. Doch der Erfolg hat Nebenwirkungen. Das US-Unternehmen Solos Technology zieht vor Gericht und wirft Meta Platforms sowie dem Brillenkonzern EssilorLuxottica vor, zentrale Smartglasses-Patente verletzt zu haben. Eine Milliardenklage, die das Potenzial hat, die Kräfteverhältnisse in der Branche neu zu ordnen.

Wie wir bereits berichteten, hat im jüngsten, ebenfalls hitzig geführten Patentstreit um Display-Brillen der Hersteller Xreal vor einem deutschen Gericht einen Etappensieg gegen Viture errungen, indem eine einstweilige Verfügung erlassen wurde, die den Vertrieb bestimmter Viture-Modelle vorübergehend stoppte, bevor sie wegen eines Formfehlers jedoch wieder aufgehoben wurde – ein Konflikt, der sich inzwischen auch auf US-Gerichte ausgedehnt hat.
Inhaltlich dreht sich nun auch der Fall von Meta und EssilorLuxottica um die Frage, wem zentrale technologische Grundlagen moderner Brillen-Displays rechtlich zustehen. Damit wird deutlich, dass sich Patentkonflikte im Wearables-Sektor häufen und zunehmend zum bestimmenden Faktor im Wettbewerb um die nächste Gerätegeneration werden.
Ein Start-up gegen die Marktführer der Smartglasses
Solos Technology, beheimatet in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts, ist kein Newcomer, sondern seit Jahren tief in der Entwicklung smarter Brillen verwurzelt. Der Klageschrift nach sieht sich das Unternehmen als technologischer Vorreiter in Bereichen wie multimodaler Sensorik, Audioverarbeitung und intelligenter Assistenzsysteme. Genau diese Funktionen seien heute das Herz moderner Smartglasses und damit auch der Ray-Ban Meta Wayfarer Gen 1, die 2023 auf den Markt kam.
Solos behauptet, Meta habe sich frühzeitig und gezielt Wissen über die die Solos-eigenen Technologien verschafft. Unter anderem durch die Analyse technischer Unterlagen sowie durch die Einstellung von Fachleuten, die mit den Solos-Patenten vertraut gewesen seien. EssilorLuxottica wiederum soll über Jahre hinweg bei Branchenveranstaltungen des Startups Prototypen getestet und sich dabei, so der Vorwurf, tiefere Einblicke in Konzepte und Entwicklungspläne verschafft haben. All das, so argumentiert Solos, habe letztlich in Produkten gemündet, die ohne Lizenz auf geschützter Technologie basieren könnten.
Ray-Ban Meta als Zankapfel des Patentstreits
Besonders brisant ist, dass sich die Klage hauptsächlich auf das 2023 veröffentlichte Modell Ray-Ban Meta Wayfarer Gen 1 bezieht. Und Solos behauptet, dass auch spätere Versionen dieser Plattform weiterhin patentierte Technologien nutzen. Solos fordert nicht nur Schadenersatz in Milliardenhöhe, sondern auch eine gerichtliche Verfügung, die den Verkauf der betroffenen Smartglasses stoppen könnte. Angesichts von mehr als zwei Millionen verkauften Ray-Ban-Meta-Smartglasses im vergangenen Jahr, wäre das ein massiver Einschnitt für Meta und EssilorLuxottica.
Für den Brillenkonzern sind Smartglasses längst mehr als ein Experiment. Nach dem holprigen Start der Ray-Ban Stories entwickelte sich die KI-gestützte Ray-Ban Meta zum kommerziellen Durchbruch. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass Wearables inzwischen einen erheblichen Teil des Umsatzwachstums von EssilorLuxottica tragen. Ein Verkaufsstopp oder auch nur anhaltende Rechtsunsicherheit könnte diese Dynamik empfindlich bremsen.
Was der Patentstreit für die Smartglasses-Industrie bedeutet
Noch haben sich Meta, EssilorLuxottica und auch die Konzernmarke Oakley nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Das Schweigen wirkt strategisch, lässt aber Raum für Spekulationen. Sollte das Gericht den Argumenten von Solos folgen, wäre das ein deutliches Signal an die gesamte Branche. Der Umgang mit geistigem Eigentum, gerade in einem jungen und schnell wachsenden Markt, könnte strenger und vorsichtiger werden müssen.
Experten halten es für gut möglich, dass der Fall über die beteiligten Unternehmen hinaus Strahlkraft entwickelt. Ähnliche Auseinandersetzungen gibt es auch in angrenzenden Segmenten, etwa bei Display-Brillen (wie im bereits erwähnten Konflikt zwischen XREAL und Viture). Der Wettbewerb um die technologische Basis der Smartglasses scheint endgültig in eine Phase eingetreten zu sein, in der nicht nur Innovation, sondern auch juristische Absicherung über Markterfolg entscheidet.
Der Patentstreit zwischen Solos Technology, Meta und EssilorLuxottica zeigt, wie dünn die Linie zwischen Kooperation, Inspiration und Verletzung geistigen Eigentums geworden ist. Für die Smartglasses-Branche ist das ein Weckruf. Sollte Solos vor Gericht Erfolg haben, könnte das den Markt kurzfristig ausbremsen, langfristig aber zu klareren Regeln und sauberer lizenzierten Technologien führen.
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