Home | Branche | Orthoptik geht eigene Wege: Erste eigenständige Praxis in Dresden
Branche

Orthoptik geht eigene Wege: Erste eigenständige Praxis in Dresden

Orthoptik war in Deutschland lange ausschließlich an augenärztliche Kliniken und Praxen gebunden. Das hat sich nun geändert – dank Katja Bendzmierowski-Köhler. Die Orthoptistin erstritt ihr Recht, sich mit ihrem Beruf selbstständig machen zu dürfen, vor Gericht und hatte Erfolg. Im Januar 2025 hat sie in Dresden schließlich die bundesweit erste eigenständige orthoptistischen Praxis eröffnet. Dort können Patienten orthoptische Leistungen direkt in Anspruch nehmen – ohne Überweisung und ohne den bisherigen Umweg über den Augenarzt.

Orthoptik geht eigene Wege: Erste eigenständige Praxis in Dresden
Katja Bendzmierowski-Köhler ist Inhaberin der ersten eigenständigen Orthoptie-Praxis “Die Orthoptistin”.
Bildquelle: Sächsiche Zeitung (06.12.2024)

Selbstständig als Orthoptistin: Dresdnerin ebnet den Weg

Katja Bendzmierowski-Köhler führt in Dresden die deutschlandweit erste eigene Praxis für Orthoptik: “Die Orthoptistin” – ein Recht, das sie sich vor Gericht erstreiten musste: Bis 2023 konnten Orthoptisten in Deutschland ausschließlich angestellt in Kliniken und augenärztlichen Praxen arbeiten. Eine eigenständige Niederlassung war im Berufsbild nicht vorgesehen. Durch Bendzmierowski-Köhlers Einsatz ist genau dies heute möglich. Die Voraussetzungen: Eine abgeschlossene Orthoptie-Ausbildung und eine Heilpraktiker-Erlaubnis.

Das neue Konzept ermöglicht Patienten und Eltern, ohne Umwege über den Augenarzt orthoptische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Die heute in Deutschland tätigen rund 2.400 Orthoptisten sind Spezialisten für Störungen des beidäugigen Sehens und der visuellen Wahrnehmung und ergänzen damit das Leistungsspektrum von Augenärzten und Augenoptikern.

Von der angestellten Orthoptistin zur eigenen Praxis

Bis Katja Bendzmierowski-Köhler diesen Schritt gegangen ist, arbeitete sie rund 19 Jahre in verschiedenen Kliniken und Augenarztpraxen. Mit der Zeit wuchs der Wunsch nach mehr Zeit pro Patient und größerem Gestaltungsspielraum im Praxisalltag. Eine eigenständige orthoptische Praxis ließ sich zunächst nicht umsetzen, da das Berufsrecht das Fachgebiet Orthoptik eng an den Augenarzt koppelte und eine eigene Niederlassung nicht vorsah.

Ihre 2017 eingereichte Klage wurde 2019 abgelehnt. Doch sie erhob Einspruch – und weitere vier Jahre später, im Jahr 2023, bekam sie schließlich Recht. Was ihr nun noch fehlte, war eine Heilpraktikererlaubnis im Bereich Orthoptik, die sie schließlich 2024 erwarb.

Mehr als Schielen: Was genau ist Orthoptik?

Orthoptik geht eigene Wege: Erste eigenständige Praxis in Dresden
Bildquelle: Die Orthoptistin

Orthoptik leitet sich vom griechischen „orthos“ für gerade und „optikos“ für das Sehen ab und beschreibt das Ziel, ein stabiles, möglichst beschwerdefreies beidäugiges Sehen herzustellen. Orthoptisten arbeiten präventiv, diagnostisch und therapeutisch bei Schielerkrankungen, Sehschwächen, Doppelbildern, Augenzittern, Störungen der Augenbewegungen und des beidäugigen Sehens. Gerade bei Kindern spielt rechtzeitige orthoptische Diagnostik eine zentrale Rolle – denn die Entwicklung des Sehsinss ist im Alter von sechs bis sieben Jahren weitgehend abgeschlossen.

In der neuen Dresdner Praxis kommen zusätzliche Schwerpunkte hinzu, etwa die Abklärung visueller Wahrnehmungsstörungen bei Schul- und Entwicklungsproblemen sowie die visuelle Rehabilitation nach neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall. Damit schließt das Angebot eine Lücke, die entsteht, wenn augenärztliche Kapazitäten knapp sind und Sehschulen nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Orthoptie-Praxis: Neuer Versorgungsweg in der Augenheilkunde

In Sachsen zeigt sich der Bedarf nach orthoptischen Angeboten Bedarf besonders deutlich: Nahezu jedes Kind weist bei Sehtests im Rahmen von Vorschuluntersuchungen auffällige Ergebnisse auf. Gleichzeitig werden viele Sehstörungen zu spät erkannt und behandelt. Vor diesem Hintergrund ergänzt die Praxis Katja Bendzmierowski-Köhler – und auch zukünftige ähnliche Konzepte – die Versorgung um eine neue Option: Für die Branche zählt, ob Wartezeiten sinken, Eltern frühzeitig erreicht werden oder auch neurologische Fälle gezielter betreut werden.