Die Schweizer Hörakustik- und Augenoptik-Kette Misenso hat Konkurs angemeldet. Damit endet die Geschichte eines Unternehmens, das trotz mehrerer Eigentümerwechsel und strategischer Neuausrichtungen nie nachhaltig profitabel arbeiten konnte. Sämtliche 18 verbliebenen Filialen wurden geschlossen, rund 140 Mitarbeitende sind von der Insolvenz betroffen. Besonders bemerkenswert ist der Fall, weil die österreichische Neuroth-Gruppe das Unternehmen erst 2024 mit ehrgeizigen Wachstumsplänen übernommen hatte.

Misenso Konkurs: Alle 18 Standorte in der Schweiz geschlossen
Nach Angaben der österreichischen Muttergesellschaft Neuroth ist die Zürcher Misenso AG überschuldet. Wie ein Unternehmenssprecher gegenüber mehreren Medien erklärte, sei die Anmeldung des Konkurses deshalb unvermeidbar gewesen. Mitarbeitende, Kunden und Geschäftspartner seien bereits über den Schritt informiert worden.
Am Tag der Bekanntgabe blieben sämtliche 18 Filialen in der Schweiz geschlossen. Hinweise an den Standorten informierten Kunden darüber, dass die Fachgeschäfte bis auf Weiteres nicht geöffnet seien. Auch der Kundendienst wurde eingestellt und verwies per Ansage auf die Betriebsschließung.
Der Fall liegt nun beim Konkursamt Zürich, das mit der Eröffnung des Konkursverfahrens die Verfügungsgewalt über das Unternehmen übernimmt.
Warum Misenso gescheitert ist: Verluste seit Gründung
Nach Angaben der Neuroth-Gruppe schrieb Misenso seit der Gründung im Jahr 2020 durchgehend Verluste. Weder strategische Anpassungen noch Veränderungen im operativen Management oder die zuletzt eingeleitete Verkleinerung des Filialnetzes hätten die wirtschaftliche Situation nachhaltig verbessern können.
Bereits im Herbst 2025 hatte Misenso elf seiner damals 29 Standorte geschlossen. Damals begründete das Unternehmen diesen Schritt mit anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen. Rund 63 Mitarbeitende verloren bereits in dieser Phase ihren Arbeitsplatz. Der jetzige Konkurs markiert das endgültige Scheitern der Sanierungsbemühungen.
Für den Schweizer Optik- und Hörakustikmarkt verdeutlicht der Fall erneut, wie anspruchsvoll die Verbindung beider Geschäftsbereiche in einem filialbasierten Handelsmodell sein kann. Trotz hoher Kundenfrequenz an vielen Standorten gelang es Misenso offenbar nicht, die erforderliche Wirtschaftlichkeit zu erreichen.
Von der Migros-Tochter zu Neuroth: Ambitionierte Expansionspläne ohne Erfolg
Misenso war ursprünglich als Tochtergesellschaft der Migros gegründet worden. Im Zuge der strategischen Neuausrichtung des Schweizer Handelskonzerns wurde das Unternehmen im Juni 2024 an die österreichische Neuroth-Gruppe verkauft. Damals betonten beide Seiten, dass Misenso als eigenständige Marke weitergeführt werden solle.
Neuroth verband mit der Übernahme ambitionierte Expansionsziele. Nach dem Kauf betrieb Misenso zunächst 25 Standorte in der Schweiz und eröffnete anschließend weitere Filialen. Das Netz wuchs zeitweise auf 29 Geschäfte. Neuroth-Chef Lukas Schinko erklärte Anfang 2025 laut der Nachrichtenagentur AWP sogar, langfristig seien 40 bis 50 Standorte geplant.
Diese Wachstumsstrategie ließ sich jedoch nicht umsetzen. Bereits wenige Monate später begann der Rückzug aus unrentablen Filialen. Wie sich nun zeigt, reichte auch diese Maßnahme nicht aus, um das Unternehmen wirtschaftlich zu stabilisieren.
Folgen des Misenso-Konkurses für den Schweizer Optik- und Hörakustikmarkt
Unmittelbar betroffen sind rund 140 Mitarbeitende sowie zahlreiche Kunden, deren Ansprechpartner von einem Tag auf den anderen weggefallen sind. Wie es heißt, sollen die übrigen Gesellschaften der Neuroth-Gruppe vom Konkurs der Schweizer Tochter nicht betroffen sein.
Für die Schweizer Augenoptik und Hörakustik dürfte der Marktaustritt kurzfristig zu Veränderungen im Wettbewerb führen. Da sich viele Misenso-Filialen in Migros-Märkten befanden, entstehen an attraktiven Handelsstandorten freie Flächen, die künftig von anderen Anbietern genutzt werden könnten. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass selbst ein etablierter europäischer Hörakustik-Spezialist mit umfassender Branchenerfahrung wirtschaftliche Herausforderungen im Schweizer Markt nicht zwangsläufig lösen kann.
Der Konkurs von Misenso beendet ein Kapitel, das von hohen Erwartungen und ambitionierten Expansionsplänen geprägt war. Weder die Zugehörigkeit zur Migros noch die Übernahme durch die Neuroth-Gruppe konnten das Unternehmen dauerhaft in die Gewinnzone führen. Für die Schweizer Optik- und Hörakustikbranche ist der Fall ein deutliches Signal dafür, dass nachhaltiger Erfolg weit mehr erfordert als Filialwachstum und strategische Neuausrichtungen. Besonders im Premium-Segment der Augenoptik und Hörgeräteversorgung zeigt sich: Ohne tragfähiges Geschäftsmodell und klare Profitabilität scheitern auch namhafte Player am Markt.
Pressemitteilung: Die Misenso AG hat ihren Geschäftsbetrieb eingestellt.
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