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Milliarden-Deal in der Hörakustik: Amplifon übernimmt GN Hearing

Der italienische Hörakustik-Gigant Amplifon hat die Hörgeräte-Sparte des dänischen Technologiekonzerns GN Store Nord übernommen. Der Kaufpreis liegt bei rund 17 Milliarden dänischen Kronen (etwa 2,28 Milliarden Euro). Für die Hörgerätebranche ist das ein außergewöhnlich großer Deal – und einer mit potenziell weitreichenden Folgen.

Milliarden-Deal in der Hörakustik Amplifon übernimmt GN Hearing

Filialist wird zum Hersteller

Zum übernommenen Portfolio gehören etablierte Hörgerätemarken wie ReSound, Beltone, Interton und Danavox. Sie zählen seit Jahrzehnten zu den bekannten Herstellern im internationalen Markt und stehen für Hörgerätetechnologie „Made in Denmark“.

Besonders bemerkenswert ist die strategische Dimension der Übernahme:
Mit dem Deal steigt Amplifon erstmals selbst in die Herstellung von Hörgeräten ein. Der weltweit größte Hörakustik-Filialist integriert damit einen Produzenten in seine Wertschöpfungskette – ein Schritt, der die klassische Rollenverteilung zwischen Herstellern und Fachhandel zunehmend auflöst.

Die Entwicklung passt zu einem Trend in der Branche. Bereits zuvor hatte der dänische Konzern Demant – bekannt für die Marke Oticon – den deutschen Filialisten KIND Hörgeräte übernommen. Während dort ein Hersteller in den Handel expandierte, läuft es nun umgekehrt: Ein Händler kauft einen Hersteller.

Beide Beispiele zeigen, dass vertikal integrierte Konzerne in der Hörakustik zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Mögliche Folgen für den Markt

Für unabhängige Hörakustiker könnte der Deal strategische Fragen aufwerfen. Marken wie ReSound gehören bislang bei vielen Betrieben zum festen Sortiment. Wenn diese künftig zu einem direkten Retail-Konkurrenten gehören, könnten manche Akustiker ihre Sortimentspolitik überdenken.

Auch strukturell könnte sich der Markt weiter verändern. Die Zahl unabhängiger Hörgerätehersteller ist ohnehin begrenzt, und durch solche Übernahmen könnte sich die Konzentration im Herstellermarkt weiter verstärken.

Relevanz auch für Mischbetriebe

Für Augenoptik- und Hörakustik-Mischbetriebe ist diese Entwicklung besonders interessant. Viele dieser Unternehmen setzen im Hörakustikbereich bewusst auf ein breites Herstellerportfolio, um unabhängig beraten zu können. Wenn große Filialisten künftig eigene Geräte entwickeln und vertreiben, könnte sich der Wettbewerb im Hörsegment spürbar verschärfen – auch in Städten und Regionen, in denen Mischbetriebe aktiv sind.

Gleichzeitig zeigt der Deal, wie stark sich der Hörakustikmarkt professionalisiert und internationalisiert. Für Augenoptiker, die ihr Geschäft um Hörakustik erweitern oder ausbauen möchten, dürfte die strategische Herstellerwahl künftig noch wichtiger werden.

Die Übernahme von GN Hearing durch Amplifon ist weit mehr als ein gewöhnlicher Unternehmensverkauf. Sie steht für einen strukturellen Wandel der Hörgerätebranche, in dem die Grenzen zwischen Herstellern und Vertrieb zunehmend verschwimmen. Für unabhängige Hörakustiker – und insbesondere für Mischbetriebe aus Augenoptik und Hörakustik – könnte diese Entwicklung langfristig neue strategische Überlegungen erforderlich machen.

Florian Fait