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Marcolin von VSP Vision übernommen: die komplette Story

VSP Vision, der US-Konzern aus Kalifornien, hat Marcolin Ende Dezember 2025 übernommen – und damit eines der traditionsreichsten Brillenhäuser Italiens. Die Meldung sorgte in der Branche für Gesprächsstoff, denn mit der Übernahme könnte sich der globale Eyewear-Markt nachhaltig verändern: Lizenzmarken wie Tom Ford, Guess oder Zegna wechseln den Besitzer. Hier erfahrt ihr alle Hintergründe:

Marcolin von VSP Vision übernommen: die komplette Story

Marcolin-Übernahme von VSP Vision: Die Akteure im Überblick

VSP Vision, ursprünglich aus dem Bereich der Sehhilfenversicherungen stammend, hat sein Geschäft in den letzten Jahren konsequent erweitert. Heute ist das Unternehmen nicht nur als Versicherer, sondern auch als Dienstleister, Händler und Eyewear-Anbieter aktiv. Über die Tochtergesellschaft Marchon vertreibt der Konzern bereits Brillenfassungen und Sonnenbrillen. Marcolin wiederum bringt ein umfangreiches Portfolio renommierter Lizenzmarken mit – darunter Tom Ford, Zegna, Max Mara, Guess und Adidas – und ist in über 125 Ländern aktiv. Die Übernahme dürfte VSP Vision nicht nur international stärken, sondern auch die strategische Position im Premium- und Luxussegment festigen. PAI Partners, die Private-Equity-Gesellschaft, die Marcolin seit 2012 als Finanzinvestor begleitet hatte, verkaufte ihre Anteile, ebenso wie einige Minderheitsaktionäre.

Zeitlicher Ablauf des Übernahmeprozesses

Der Weg zur Übernahme war keineswegs überraschend. Bereits im März 2024 verdichteten sich erste Hinweise auf einen möglichen Verkauf, ausgelöst durch die Verlängerung wichtiger Lizenzverträge und die Stärkung des Markenportfolios. Die offizielle Bekanntgabe der Kaufvereinbarung folgte am 5. September 2025. Nach den üblichen Prüf- und Genehmigungsprozessen meldete VSP Vision den Abschluss der Transaktion dann am 22. Dezember 2025.

VSP Vision setzt auf Eyewear: Marchon und Marcolin bleiben eigenständig

VSP Vision ist in erster Linie als augenoptischer Dienstleister und Versicherungsspezialist bekannt und engagiert sich über Marchon Eyewear seit Jahren im Fassungs- und Sonnenbrillenmarkt. Mit der Integration von Marcolin erweitert der Konzern seine internationale Präsenz im Brillensegment. Dabei sollen beide Eyewear-Unternehmen ihre operative Eigenständigkeit behalten und ihre Geschäfte unabhängig voneinander fortführen. VSP Vision bezeichnet die Übernahme als strategische Investition, mit der das Produktangebot für Augenoptiker, Partner und Endkunden gezielt erweitert werden soll.

Marcolin: Lizenzmarken und globale Marktpräsenz

Marcolin selbst blickt auf eine bewegte Unternehmensgeschichte zurück. Gegründet 1961 in Norditalien, hat sich der Hersteller zu einem globalen Player entwickelt, der sowohl Korrektions- als auch Sonnenbrillen fertigt. Frühere Strukturveränderungen, wie das Joint Venture Thélios mit LVMH und der Verkauf des 49-Prozent-Anteils an LVMH im Jahr 2021, sowie langfristig gesicherte Lizenzvereinbarungen, etwa mit Guess bis 2030, zeigen die strategische Stabilität des Unternehmens. Für Käufer war vor allem die Zusammenarbeit mit Tom Ford attraktiv, deren Vertrag 2022 ohne Laufzeitbegrenzung neu geregelt wurde.

Auswirkungen für den Fachhandel: Was bleibt, was ändert sich?

Für den Fachhandel bleibt zunächst alles beim Alten: Marcolin und Marchon sollen operativ unabhängig weiterarbeiten, sodass bestehende Partnerschaften und Lieferketten stabil bleiben. Gleichzeitig könnte die Übernahme aber die Brillenbranche langfristig verändern. Denkbar sind neue Kooperationsmodelle, erweiterte Serviceleistungen und ein stärker integriertes Angebot – vom Produkt über Finanzierung bis hin zur Kundenversorgung.

Erkennbar ist der Versuch, Eyewear, Dienstleistungen und Kundenversorgung enger zu verzahnen und die Branche in Richtung integrierter Angebote zu bewegen. Wie schnell und in welchem Umfang sich diese Potenziale realisieren, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.