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CATHAY-Studie 2026: DOT-Brillengläser bremsen Myopie bei Kindern um bis zu 67 %

Weltweit gilt Myopie bei Kindern als eine der am schnellsten zunehmenden Augenerkrankungen: Sechs von zehn Schulkindern in asiatischen Metropolen sind bereits kurzsichtig und die Zahlen steigen auch in Europa kontinuierlich. Früh einsetzende Kurzsichtigkeit erhöht das Risiko für hohe Myopie im Erwachsenenalter deutlich. Auf dem ARVO 2026 Annual Meeting hat SightGlass Vision nun neue 24-Monats-Daten der CATHAY-Studie vorgestellt. Den präsentierten Ergebnissen zufolge verlangsamen DOT-Brillengläser die Myopieprogression bei chinesischen Kindern signifikant und erreichen Wirksamkeitswerte, die bislang vor allem aus Studien zu DIMS-Gläser bekannt waren.

CATHAY-Studie 2026 zu Myopie: DOT-Brillengläser bremsen Kurzsichtigkeit bei Kindern um bis zu 67 %
Bild: © satchuset Raungdessuwon / Pixabay

CATHAY-Studie: Randomisierte 24-Monats-Daten aus China zeigen starke Wirkung bei 6- bis 10-Jährigen

Die CATHAY-Studie ist eine randomisierte, kontrollierte Multicenter-Studie, die DOT-Brillengläser des Herstellers SightGlass Vision erstmals über einen Zeitraum von 24 Monaten systematisch mit konventionellen Einstärkengläsern verglichen hat. Studienort war China, wo die Myopieprävalenz bei Schulkindern zu den höchsten weltweit zählt.

Besonders auffällig war der Effekt bei Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren: Nach 24 Monaten lag die mittlere Reduktion der Myopieprogression in dieser Altersgruppe laut den vorgestellten Daten bei mehr als 1 Dioptrie gegenüber der Kontrollgruppe. Gleichzeitig wurde das Achsenlängenwachstum des Auges, das als zentraler Risikofaktor für spätere myopiebedingte Netzhautkomplikationen gilt, deutlich verlangsamt.

In Deutschland sind rund 15 % der Kinder im Grundschulalter von Kurzsichtigkeit betroffen. Diese Rate nimmt im Jugend- und jungen Erwachsenenalter deutlich zu und steigt bis zum Alter von 25 Jahren auf etwa 45 % an.

Was sind DOT-Brillengläser und wie funktionieren sie?

DOT steht für Diffusion Optics Technology. Vereinfacht gesagt handelt es sich um Brillengläser, die im Gegensatz zu gewöhnlichen Gläsern nicht nur die Sehschärfe korrigieren, sondern gleichzeitig das Augenwachstum beeinflussen. In das Glas sind tausende winzige, für das bloße Auge kaum sichtbare Mikrostrukturen eingearbeitet, die das einfallende Licht gezielt streuen.

Dadurch werden bestimmte Kontrastsignale auf der Netzhaut abgeschwächt, also jene Reize, die mit weiterem Augenwachstum und zunehmender Kurzsichtigkeit in Verbindung gebracht werden. Das Kind sieht durch die Gläser normal scharf, während der myopiekontrollierende Effekt im Hintergrund abläuft.

Erkenntnisse der CATHAY-Studie: DOT-Brillengläser reduzieren Myopieprogression um bis zu 67 %

Die CATHAY-Studie untersuchte 186 kurzsichtige Kinder zwischen sechs und 13 Jahren an fünf chinesischen Kliniken. Verglichen wurden DOT-Brillengläser mit konventionellen Einstärkengläsern. Die 24-Monats-Ergebnisse bestätigen und erweitern die bereits publizierten Einjahresdaten.

Über die Gesamtpopulation hinweg reduzierte sich die durchschnittliche Myopieprogression laut den präsentierten Daten um 0,78 Dioptrien gegenüber der Kontrollgruppe, was einer Verringerung von 67 Prozent entspricht. Gleichzeitig fiel die Achsenlängenprogression um 0,40 Millimeter geringer aus, entsprechend einer Reduktion von 62 Prozent.

Alltagstauglichkeit und Compliance: Entscheidende Kriterien für die Praxisberatung

Neben der Wirksamkeit ist für Augenoptiker die praktische Verträglichkeit im Alltag ausschlaggebend. Eine ebenfalls beim ARVO 2026 vorgestellte Untersuchung zeigte laut den Studienautoren, dass Kinder mit DOT-Gläser ein vergleichbares Sehverhalten aufweisen wie Träger konventioneller Einstärkengläser, ohne messbare Unterschiede bei alltagsrelevanten Sehaufgaben.

Gerade bei jüngeren Kindern bleibt die Therapietreue eine der größten Herausforderungen im Myopiemanagement. Orthokeratologische Kontaktlinsen und niedrig dosiertes Atropin setzen ein hohes Maß an konsequenter Mitarbeit voraus. Brillenglasbasierte Lösungen gelten dagegen häufig als niedrigschwelligerer Einstieg.

Relevant für die Langzeitakzeptanz sind zudem Daten aus der nordamerikanischen CYPRESS-Studie aus dem Jahr 2025. Dort zeigte sich nach Absetzen der DOT-Gläser kein statistisch signifikanter Rebound-Effekt. Die Myopieprogression beschleunigte sich nach Therapieende nicht über altersübliche Werte hinaus.

Wie ordnen sich die DOT-Daten im Vergleich zu DIMS-Gläser ein?

Im Vergleich mit DIMS-Gläser , die derzeit als wichtige Referenztechnologie in der Myopiekontrolle gelten, fallen die Ergebnisse der CATHAY-Studie vergleichbar aus. Eine randomisierte Hongkong-Studie zu DIMS-Gläser hatte nach zwei Jahren eine Progressionsreduktion von 52 Prozent sowie eine Reduktion der Achsenlängenprogression von 62 Prozent gezeigt. Die nun vorgestellten DOT-Daten erreichen bei beiden Parametern ähnliche Größenordnungen.

Für Augenoptiker erweitert sich damit die Evidenzbasis im Beratungsgespräch. Eltern fragen zunehmend gezielt nach klinisch belegbaren Langzeiteffekten und alltagstauglichen Lösungen zur Myopiekontrolle. Aus klinischer Sicht gilt die Achsenlänge als einer der wichtigsten Parameter: Je ausgeprägter das Längenwachstum des Augapfels, desto höher das Lebenszeitrisiko für myope Makuladegeneration, Netzhautablösung und Glaukom. Bereits moderate Unterschiede in der Achsenlängenentwicklung könnten langfristig klinisch relevant sein.

Myopie-Epidemie als Wachstumsmarkt: Warum Myopiemanagement ein wichtiges Beratungsfeld bleiben wird

Bis 2050 könnte rund die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein. Besonders in asiatischen Ballungszentren erreichen die Prävalenzraten bei Schulkindern bereits heute sehr hohe Werte. Gleichzeitig steigen auch in Europa die Fallzahlen kontinuierlich.

Nicht invasive Versorgungskonzepte wie spezialisierte Brillengläser gewinnen daher an Bedeutung. Sie lassen sich frühzeitig einsetzen, verursachen keine pharmakologischen Nebenwirkungen und können vergleichsweise einfach in die augenoptische Versorgung integriert werden. Mit zunehmender klinischer Evidenz dürfte sich Myopiemanagement im augenoptischen Fachbetrieb weiterhin als relevantes, eigenständiges Beratungsfeld etablieren.

Die CATHAY-Studie liefert mit ihren 24-Monats-Ergebnissen weitere klinische Daten zur Wirksamkeit von DOT-Brillengläsern in der Myopiekontrolle. Die Kombination aus deutlicher Bremswirkung auf die Myopieprogression, hoher Alltagstauglichkeit und fehlendem Rebound-Effekt dürfte die Diskussion um brillenglasbasierte Myopiekontrolle weiter vorantreiben.

Studie: Assessment of DOT Spectacles in Chinese Children (CATHAY)

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Christoph Hillermann-Giannoutsos
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