Home | Wissen | Durchbruch bei gefürchteter Augenkrankheit: Trachom soll bis 2030 ausgerottet sein
Wissen

Durchbruch bei gefürchteter Augenkrankheit: Trachom soll bis 2030 ausgerottet sein

Noch vor wenigen Jahrzehnten stellte Trachom eine riesige Herausforderung dar – eine bakterielle Augenkrankheit, die schleichend beginnt, unbehandelt zur Erblindung führen kann und vor allem dort zum Problem wird, wo Armut und mangelnde Hygiene vorherrschen. Nun meldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Durchbruch, der sogar Public-Health-Experten aufhorchen lässt: Erstmals liegt die Zahl der weltweit Behandlungsbedürftigen unter 100 Millionen. Ein Meilenstein, wie die WHO selbst betont.

Gefürchtete Augenkrankheit: Trachom soll bis 2030 ausgerottet sein
Bild: © Freepik

WHO-Erfolg gegen Trachom: Zahlen, die Hoffnung machen

Laut WHO ist die Zahl der von Trachom bedrohten Menschen seit 2002 um beeindruckende 94 Prozent gesunken. Damals galten noch rund 1,5 Milliarden Menschen als gefährdet – im November 2025 waren es nur noch 97 Millionen. Für eine Krankheit, die lange als Sinnbild medizinischer Unterversorgung galt, ist das ein historischer Fortschritt. In Genf sprach die UN‑Behörde offen von einem Meilenstein und formulierte zugleich ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2030 soll das Trachom weltweit vollständig beseitigt sein.

Trachomfreie Länder: Ein Signal über Ägypten und Fidschi hinaus

Zuletzt erklärten Ägypten und Fidschi, dass das Trachom dort kein Problem der öffentlichen Gesundheit mehr darstelle. Damit steigt die Zahl der trachomfreien Länder weltweit auf 27. Ein Erfolg, der über nationale Grenzen hinaus als Hoffnungssignal wirkt. Jedes Land, das die Krankheit hinter sich lässt, beweist, dass Eliminierung keine Theorie bleibt, sondern erreichbar ist.

Möglich wurde dieser Fortschritt durch enge Partnerschaften zwischen staatlichen Gesundheitsbehörden, Nichtregierungsorganisationen, akademischen Einrichtungen und internationalen Geldgebenden. Auch der Pharmakonzern Pfizer leistete einen Beitrag, indem er Medikamente bereitstellte – ein klassisches Beispiel dafür, wie Public-Private-Partnerschaften im Gesundheitswesen funktionieren können, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Warum Trachom so lange eine der häufigsten Erblindungsursachen war

Historisch war das Trachom die häufigste Ursache vermeidbarer Erblindung in tropischen Entwicklungsländern. Ausgelöst durch Bakterien, wird es durch hohe Bevölkerungsdichte und mangelnde Gesichtshygiene begünstigt. Wiederholte Infektionen führen zu Vernarbungen an der Innenseite des Augenlids, wodurch sich die Wimpern nach innen richten und auf die Hornhaut reiben. Der fortschreitende Sehverlust ist oft schmerzhaft – und endgültig.

Dass diese Krankheit so lange bestehen konnte, lag weniger am fehlenden medizinischen Wissen als an strukturellen Defiziten. Genau hier setzt der aktuelle Erfolg an: Verbesserte Wasserversorgung, Aufklärung, Antibiotikagaben und chirurgische Eingriffe bei fortgeschrittenen Fällen haben laut WHO gemeinsam den Wendepunkt herbeigeführt.

Vernachlässigte Tropenkrankheiten: Der Kampf ist noch nicht vorbei

Trotz aller positiven Schlagzeilen bleibt die Lage ernst. Das Trachom zählt zu den sogenannten vernachlässigten Tropenkrankheiten – Erkrankungen, die grundsätzlich vermeidbar und behandelbar sind. Dennoch leiden laut WHO weiterhin rund eine Milliarde Menschen darunter, vor allem in medizinisch unterversorgten Regionen. Der Erfolg im Kampf gegen das Trachom zeigt, was möglich ist – und verdeutlicht zugleich, wie viel Arbeit der internationalen Gemeinschaft noch bevorsteht.

Der Rückgang des Trachoms zeigt: Langfristige Strategien, verlässliche Partnerschaften und klarer politischer Wille sind in der Lage, sogar über Jahrzehnte bestehende Gesundheitsprobleme zu überwinden können. Für die Augenheilkunde und angrenzende Berufsgruppen wie Optiker ist das ein starkes Signal: Prävention wirkt, globale Verantwortung zahlt sich aus. Wird die weltweite Eliminierung bis 2030 erreicht, könnte das Trachom künftig vor allem als Lehrbeispiel dienen – als Erinnerung daran, dass selbst gefürchtete Augenkrankheiten ihren Schrecken verlieren können, wenn man dem Problem konsequent, engagiert und standhaft gegenübertritt.

Christoph Hillermann-Giannoutsos