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Augengesundheits-Report 2026: Viele Augenprobleme bleiben unentdeckt

Deutschlands Augen leisten täglich Schwerstarbeit, doch kontrolliert werden sie erstaunlich selten. Der Augengesundheits-Report 2026 zeigt mit nüchternen Zahlen, wie groß die Lücke zwischen gefühlter und tatsächlicher Augengesundheit ist. Gemeinsam mit Skleo Health hat Mister Spex mehr als 3.400 Screenings ausgewertet und dabei Ergebnisse zutage gefördert, die selbst Branchenkenner nachdenklich stimmen dürften. Die zentrale Botschaft lautet: Fehlende Beschwerden sind kein verlässlicher Indikator für gesunde Augen. Und mangelnde Vorsorge bleibt nicht folgenlos.

Augengesundheits-Report 2026: Warum Deutschlands Augen ein Vorsorgeproblem haben
Bild: © FREEPIK

Augengesundheits-Report 2026 von Mister Spex und Skleo Health zeigt überraschende Befunde

Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung. Rund 82 Prozent der Teilnehmenden gaben im Anamnesebogen an, keinerlei Probleme mit den Augen zu haben. Ein Wert, der beruhigend wirkt und vermutlich genau jene Selbstsicherheit widerspiegelt, die regelmäßige Kontrollen entbehrlich erscheinen lässt. Doch das anschließende Screening erzählt eine andere Geschichte. Bei 24 Prozent dieser vermeintlich beschwerdefreien Personen wurden abklärungsbedürftige Auffälligkeiten festgestellt.

Fast jeder vierte hat Sehprobleme – ohne sie wahrzunehmen

Damit lebt fast jeder Vierte mit messbaren Sehproblemen, ohne sie wahrzunehmen. Die Spannbreite reicht von eingeschränkter Sehschärfe über frühe Netzhautveränderungen bis hin zu ersten Hinweisen auf ein Glaukom. Augenerkrankungen entwickeln sich oft schleichend, verursachen keine Schmerzen und bleiben deshalb lange unentdeckt. Der Report zeigt eindrücklich, wie trügerisch die eigene Wahrnehmung sein kann, wenn objektive Diagnostik fehlt.

Joëlle Jenny, Augenoptikerin bei Mister Spex, warnt laut Mitteilung davor, fehlende Symptome mit fehlendem Risiko gleichzusetzen. Gerade im digitalen Alltag entstünden Auffälligkeiten schleichend und blieben lange unsichtbar. Vorsorge beginne deshalb nicht erst dann, wenn man schlecht sehe, sondern deutlich früher.

24% Beschwerdefrei aber mit Auffälligkeiten

57 Prozent der über 60-Jährigen haben unbemerkte Augenprobleme

Besonders deutlich tritt das Problem mit zunehmendem Alter zutage. Während bei den 18- bis 40-Jährigen 15 Prozent trotz fehlender Beschwerden Auffälligkeiten zeigen, steigt der Anteil bei den 41- bis 60-Jährigen bereits auf 26 Prozent. Bei den über 60-Jährigen liegt er schließlich bei alarmierenden 57 Prozent. Mehr als jeder Zweite hat unbemerkte Probleme mit den Augen.

Das Alter erweist sich damit als zentraler Risikofaktor. Gleichzeitig offenbart sich eine paradoxe Situation: Gerade in der Lebensphase, in der degenerative Erkrankungen wahrscheinlicher werden, bleiben viele Veränderungen lange unentdeckt. Männer sind dabei leicht häufiger betroffen als Frauen, was auf Unterschiede im Vorsorgeverhalten hindeuten könnte.

Ein Blick auf die Art der Auffälligkeiten unterstreicht diese Entwicklung. Während bei jüngeren Teilnehmenden funktionale Einschränkungen wie Sehschwächen dominieren, rücken mit dem Alter Drusen, Makuladegeneration und andere organische Veränderungen in den Vordergrund. Sehschwäche bleibt zwar relevant, doch degenerative Erkrankungen gewinnen klar an Gewicht.

57% der Ü60 Beschwerdefrei aber Probleme festgestellt

80 Prozent länger als zwei Jahre nicht beim Augenarzt

Warum bleiben so viele Auffälligkeiten unbemerkt? Ein zentraler Grund liegt im Vorsorgeverhalten. Laut Report waren über 80 Prozent der Teilnehmenden länger als zwei Jahre nicht beim Augenarzt oder noch nie. Lediglich 19 Prozent hatten in diesem Zeitraum eine Kontrolle wahrgenommen.

Besonders niedrig fällt die Quote bei den unter 40-Jährigen aus. In dieser Altersgruppe war nur etwa jeder Sechste in den vergangenen zwei Jahren beim Augenarzt. Auch bei den 41- bis 60-Jährigen liegt die Vorsorgequote mit rund 20 Prozent kaum höher. Erst im höheren Alter steigt die Wahrscheinlichkeit regelmäßiger Arztbesuche leicht an, bleibt aber insgesamt auf niedrigem Niveau.

Dr. med. Steffen E. Künzel, Augenarzt und Co-Founder von Skleo Health, sieht darin ein strukturelles Problem. Die meisten Augenerkrankungen würden schmerzfrei und symptomlos verlaufen, insbesondere in frühen Stadien. Ohne gezielte Diagnostik würden viele Betroffene erst vorstellig, wenn bereits irreversible Schäden eingetreten seien. Vorsorge sei daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Der letzte Augenarztbesuch - nach Alter

Glaukom und diabetische Retinopathie: Jeder Zehnte mit Vorbelastung zeigt Auffälligkeiten

Besonders brisant sind die Ergebnisse bei Personen mit bekannter familiärer oder medizinischer Vorbelastung. Rund 15 Prozent der Teilnehmenden gaben an, dass in ihrer Familie Glaukom vorkommt oder dass sie selbst an Diabetes leiden. Bei jedem Zehnten dieser Gruppe bestätigte das Screening bereits einen Glaukom-Verdacht oder eine überweisungswürdige diabetische Retinopathie.

Auffällig ist, dass sich diese Risiken häufig im mittleren Lebensalter manifestieren. Während bei den 18- bis 40-Jährigen sieben Prozent organische Auffälligkeiten zeigten, steigt der Anteil bei den 41- bis 60-Jährigen auf 14 Prozent. Bei den über 60-Jährigen sinkt er wieder leicht, was laut Report darauf hindeuten könnte, dass regelmäßige augenärztliche Betreuung den Bedarf an Screenings reduziert.

Im Geschlechtervergleich zeigt sich auch hier, dass Männer häufiger eine bestätigte Auffälligkeit bei bestehender Vorbelastung aufweisen als Frauen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass sogar bekannte Risiken nicht automatisch zu konsequenter Vorsorge führen.

Erbliche Vorbelastung - nach Geschlecht

Der Augengesundheits-Report 2026 zeichnet ein klares, wenn auch unbequemes Bild. In Deutschland besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und objektiver Augengesundheit. Fast jeder Vierte ohne Beschwerden hat bereits messbare Auffälligkeiten, bei den über 60-Jährigen ist es sogar mehr als jeder Zweite. Gleichzeitig verzichten vier von fünf Menschen auf regelmäßige augenärztliche Kontrollen.

Die Konsequenz liegt auf der Hand. Augengesundheit darf kein Reaktionsthema bleiben, das erst dann relevant wird, wenn das Sehen spürbar nachlässt. Früherkennung entscheidet darüber, ob Veränderungen behandelbar bleiben oder dauerhaft einschränken. Der Report liefert damit nicht nur Zahlen, sondern einen klaren Auftrag an Branche und Versorgungssystem: Vorsorge muss einfacher, selbstverständlicher und früher ansetzen.

Quelle: Augengesundheits-Report 2026