Ocumeda tritt selbstbewusst als Lösung auf, die Augenvorsorge für Endnutzer niederschwellig, kostengünstig und schnell zugänglich macht. Aber wie genau sieht das Modell aus, das laut eigenen Aussagen das Geschäftsfeld von Augenoptikern erweitert, indem es Prävention und medizinische Vorsorge digital verknüpft? Lohnt es sich für Optiker, sich näher mit Ocumeda zu beschäftigen? Hier erfahrt Ihr alles, was Ihr wissen müsst!

Was ist Ocumeda überhaupt?
Ocumeda ist ein Unternehmen, das sich auf Tele‑Ophthalmologie spezialisiert hat – also darauf, Augenoptiker vor Ort mit Augenärzten über eine digitale Plattform zu vernetzen, um medizinische Augen‑Check‑Ups zu ermöglichen. In Deutschland ist die Plattform seit 2025 unter anderem in einer Zusammenarbeit mit dem ZEISS EyeCare Network im Einsatz.
Dabei führen Augenoptiker im Fachgeschäft die Messungen durch, Ocumeda übermittelt diese Daten sicher an ophthalmologische Spezialisten, die sie auswerten und in einem verständlichen Befundbericht zurückmelden. Laut Ocumeda wurden so bereits mehrere hunderttausend Screenings durchgeführt und mehr als 780 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingebunden.
Der Grundgedanke dabei: Viele Augenkrankheiten entstehen schleichend und bleiben lange unentdeckt, weil Patienten nicht regelmäßig zu einem Augenarzt gehen oder der Termin beim Spezialisten erst sehr spät möglich ist. Ocumeda will diese Lücke schließen, indem es medizinische Vorsorge direkt ins Fachgeschäft bringt, ohne dass der Kunde erst zum Augenarzt muss.
Durch die Kooperation mit dem Glashersteller ZEISS, der einen Anteil von 10 Prozent mit zukünftiger Option auf bis zu 25 Prozent besitzt, ist das Konzept sichtbarer geworden. ZEISS hat das EyeCare Network gemeinsam mit Ocumeda international gestartet und bietet Partneroptikern die Möglichkeit, diesen medizinischen Augen‑Check‑Up in ihr Leistungsspektrum aufzunehmen – grundsätzlich kann man Ocumeda aber auch nutzen, wenn man kein Zeiss-Partner ist.
Ocumeda im Augenoptik-Geschäft: Wie läuft das praktisch ab?
Ein qualifizierter Optiker führt im Laden eine Reihe standardisierter Messungen durch: klassische Refraktion, Netzhautbilder, Tonometrie und Gesundheitsfragen. Diese Daten werden über die Ocumeda‑Plattform sicher und datenschutzkonform an zugelassene Augenärzte übermittelt, die sie bewerten und in einem Ampelsystem aufbereitet zurückgeben:
Grün bedeutet keine abklärungsbedürftigen Befunde, Gelb empfiehlt zeitnahe Abklärung beim Augenarzt, und bei Rot wird auf eine dringende augenärztliche Untersuchung hingewiesen. Dieser einfache Mechanismus ermöglicht es dem Fachgeschäft, seinen Kunden medizinisch relevante Hinweise und Handlungsempfehlungen zu geben – zusätzlich zum klassischen Optikgeschäft.
Um Ocumeda richtig einzuordnen, ist es wichtig zu wissen: Ocumeda bietet keine ärztliche Diagnostik im klassischen Sinne, sondern eine telemedizinische Vorsorge‑ und Screening‑Lösung. Es ersetzt also keinen Augenarztbesuch mit vollständiger Untersuchung.
Die Vorteile von Ocumeda fürs Fachgeschäft
Ocumeda ist ein Modell, das medizinische Vorsorge in die Alltagspraxis integrieren möchte, und zwar dort, wo Patienten ohnehin regelmäßig vorbeikommen. Für Optiker kann die Integration des Konzeptes aus mehreren Gründen attraktiv sein – es stärkt die Rolle als Gesundheitsdienstleister, kann zur Kundenbindung beitragen und eröffnet potenziell neue Erlösquellen durch zusätzliche Dienstleistungen.
Ocumeda – die Kehrseite
Auch, wenn Ocumeda prinzipiell von allen Augenoptik-Betrieben nutzbar ist, funktioniert die Integration am besten dort, wo die nötigen Messgeräte und Workflows etabliert sind – viele dieser Voraussetzungen werden vor allem innerhalb des ZEISS-Ökosystems geschaffen. Ob ein unabhängiger Optiker ohne direkten Zugang zu solchen Geräten die Hürde schnell meistern kann, hängt stark vom eigenen Investment in Technik und Schulung ab.
Außerdem bedeutet die Implementierung dieses Konzepts, sich mit medizinischen Abläufen, Datenübertragung und Kommunikation mit Fachärzten auseinanderzusetzen, was nicht unbedingt für jedes Geschäft unmittelbar praktikabel ist.
Ob sich die Integration tatsächlich lohnt, hängt also stark vom eigenen Geschäftsmodell und der technischen Ausstattung ab. Letztlich entscheidet also die Positionierung des Betriebs: Optiker mit klar serviceorientiertem Gesundheitsansatz und Bereitschaft zur technischen Weiterentwicklung könnten damit spürbar an Expertise und Differenzierung gewinnen. Für andere mag es eher ein erklärungsbedürftiges Zusatzangebot bleiben – hier lohnt es sich, noch etwas zu beobachten, bevor man den Schritt zur Einführung geht.
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