Wenn zwei Marken aufeinandertreffen und es vom ersten Moment an klickt, liegt das selten am Zufall. Im Fall von MYKITA und OAMC® war es vielmehr eine stille Übereinkunft über Haltung, Arbeitsweise und Designverständnis: Funktion vor Form, Klarheit vor Effekt, Alltagstauglichkeit vor kurzlebigem Trend. Aus genau diesem Mindset ist eine Brillenkollaboration entstanden, die sich bewusst zurücknimmt und gerade deshalb auffällt. Ein Blick auf die Zusammenarbeit zwischen OAMC® Kreativdirektor Luke Meier und MYKITA Gründer Moritz Krueger.

Gemeinsame DNA: Warum MYKITA und OAMC® sich sofort verstanden
Beide Häuser verbindet ein fast schon asketischer Zugang zu Gestaltung. MYKITA, gegründet in Berlin, steht seit jeher für ingenieursgetriebenes Brillendesign, eigene Fertigung und konsequente Materialinnovation. OAMC®, unter der Leitung von Luke Meier, folgt einer ähnlich disziplinierten Designsprache. Die Marke schöpft aus Workwear, Mid‑Century‑Referenzen und technischer Bekleidung, mit dem Anspruch, Produkte zu schaffen, die altern dürfen und über ihre Nutzung verstanden werden. Kleidungsstücke und Accessoires, die nicht erklären müssen, was sie sind, sondern es durch ihren Gebrauch zeigen.
Diese gemeinsame Haltung gibt die Richtung der Zusammenarbeit von Beginn an vor. Es geht nicht darum, Logos zu addieren oder modische Statements zu forcieren, sondern um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Utility als gestalterischem Prinzip.
Utility als Designprinzip: Funktion formt die Brille
Im Zentrum der Kollektion steht der Gedanke der Zweckmäßigkeit. Als Referenzen dienen Brillen und Gebrauchsobjekte aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, also Produkte, bei denen Form aus Funktion entsteht. Flache Gläser, klare Geometrien und funktionale Details prägen die Silhouetten, übersetzt in MYKITAs eigene Materialien und Konstruktionsmethoden.
Technisch setzt die Kooperation auf eine Hybridkonstruktion aus Edelstahl und MYLON®. Diese Entscheidung ist weniger Stilmittel als Notwendigkeit. Die flachen Base‑2‑CR‑39‑Gläser von ZEISS lassen sich nicht rein metallisch fassen, während MYLON® die Integration feiner Seitenschilde ermöglicht, die Reflexionen reduzieren und den Sehkomfort erhöhen. Gleichzeitig entsteht ein spannender Materialkontrast: Matte Oberflächen erinnern an industrielles Werkzeug und technische Ausrüstung und verleihen den Fassungen eine selbstverständliche, utilitaristische Anmutung.
Präzision als Haltung: Moritz Krueger über Klarheit im Design
Für MYKITA Gründer und Kreativdirektor Moritz Krueger steht Präzision im Mittelpunkt. Jedes Element hat eine Aufgabe, jede Entscheidung einen klaren Grund. Die flachen Gläser definieren die Geometrie, die Hybridkonstruktion die Statik, die seitlichen Elemente verbessern die visuelle Performance. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, all das nicht konstruiert wirken zu lassen, sondern selbstverständlich.
Genau diese Selbstverständlichkeit prägt die Modelle. Nichts wirkt überzeichnet, nichts dekorativ um seiner selbst willen. Es entsteht eine Ruhe im Design, die man bei Brillen zunehmend vermisst.
RAT und GRUNT: Zwei Brillen, zwei Lesarten von Utility
Die Kapselkollektion umfasst zwei Modelle, die unterschiedliche Facetten desselben Ansatzes zeigen. RAT ist ein eckiger Navigator mit starker, grafischer Präsenz – markant, aber nicht laut, technisch, ohne kühl zu wirken.
GRUNT interpretiert die Pantoform mit Doppelsteg und bringt eine weichere Linie ins Spiel, ergänzt um eine leicht eigenwillige Note. Gemeinsam bilden sie ein stimmiges Duo, das Utility nicht als starres Dogma versteht, sondern als flexibles Gestaltungsprinzip.
OAMC® Perspektive: Respekt vor Prozess und Produkt
Luke Meier begründet die Entscheidung zur Zusammenarbeit nüchtern: Man habe großen Respekt vor dem Prozess und dem Produkt, das Moritz und MYKITA entwickeln. Für ihn war es spannend zu sehen, wie sich die eigene Designperspektive durch das technische Know‑how von MYKITA übersetzen lässt – mit einem Ergebnis, das genau dort landet, wo es landen soll.
Auffällig ist auch der gemeinsame Hintergrund beider Marken. Sowohl MYKITA als auch OAMC® sind unabhängig gestartet und haben ihre Prozesse und Produktionsweisen über Jahre selbst entwickelt. Diese Erfahrung prägt bis heute die Art der Zusammenarbeit und den gegenseitigen Respekt.
Handwerk und Performance: Gefertigt im MYKITA HAUS Berlin
Jede Fassung wird im MYKITA HAUS in Berlin von Hand gefertigt, unter Einsatz firmeneigener Technologien und Materialien. Die ZEISS Sonnengläser sorgen für hohe optische Klarheit, vollständigen UV‑Schutz und moderne Entspiegelungen. Es sind Brillen, die nicht nur gut aussehen sollen, sondern im täglichen Gebrauch überzeugen müssen.
Die MYKITA | OAMC® Kollektion startet weltweit im Februar 2026.
Diese Zusammenarbeit ist kein modisches Feuerwerk, sondern ein bewusst leiser Schulterschluss zweier Marken, die Utility ernst nehmen. MYKITA und OAMC® zeigen, dass funktionales Design nicht kühl oder beliebig sein muss, sondern Haltung, Tiefe und Ästhetik besitzen kann. Für den Fachhandel ist das eine Kollektion, die mit wenig Erklärung auskommt und Kunden anspricht, die Substanz schätzen – vielleicht ist genau das ihre größte Stärke.








