Die Augenoptikbranche geht mit gedrosseltem Tempo ins Jahr 2026. Kein Einbruch, keine Euphorie – eher ein kontrolliertes Weiterfahren auf bekanntem Kurs. In einem wirtschaftlich angespannten Umfeld ist das zunächst eine gute Nachricht. Gleichzeitig werden die Herausforderungen nicht weniger: Fachkräftemangel, wirtschaftliche Stagnation – was das für die Branche bedeutet und wie Ihr als Augenoptiker das einzuordnen habt, erfahrt Ihr hier.

Fachkräftemangel – das Problem mit der Nachfolge im Augenoptik-Betrieb
Unauffällig, aber konsequent setzt sich die strukturelle Veränderung der Augenoptik-Branche fort. Die Zahl der augenoptischen Betriebe nimmt weiter ab, während größere Einheiten und Filialisten an Gewicht gewinnen. Für viele inhabergeführte Betriebe ist dabei weniger die aktuelle Ertragslage das Problem als die fehlende Nachfolge. Gut geführte Geschäfte finden keinen geeigneten Übernehmer und verschwinden unter Umständen langfristig vom Markt. Und das, obwohl die Ausbildungszahlen auf einem vergleichsweise hohen Niveau bleiben – bei lediglich leichten Bremsspuren: Zum Stichtag 31. Oktober 2025 wurden 2.280 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Im Vorjahr waren es 2.328.
Stabile Ausbildungszahlen sichern eben noch keine Nachfolge: Immer weniger qualifizierte Augenoptiker entscheiden sich für die unternehmerische Verantwortung eines eigenen Betriebs. Und so bleibt der Fachkräftemangel auch 2026 ein zentrales Thema der Branche. In vielen Betrieben begrenzt er nicht nur das Wachstum, sondern auch die Möglichkeit, neue Leistungen aufzubauen oder bestehende Angebote auszubauen.
Verhaltene Konsumstimmung: Was hat das für Auswirkungen aufs Optik-Geschäft?
Die Konsumstimmung deutschlandweit ist verhalten – das hat sich auch im letzten Jahr nicht geändert: Nach aktuellen Einschätzungen des ZVA dürfte der Umsatz zur Augenoptik-Branche zum Jahreswechsel 25/26 um rund ein bis zwei Prozent zugelegt haben und liegt damit unterhalb der Inflationsrate – das entspricht faktisch einer Seitwärtsbewegung.
Laut Christian Müller, Präsident des ZVA sei das zunächst nicht kritisch: „Die Augenoptik behauptet sich in einem vergleichsweise schwierigen Umfeld gut.“ Allerdings könne jedoch auch keine Rede von Wachstumsdynamik sein – die Zurückhaltung der Verbraucher sei nun in der Augenoptik angekommen.
Hinter diesen dennoch stabilen Umsätzen verbirgt sich laut ZVA eine Verschiebung: Während Menschen, die auf eine Brille angewiesen sind, weiterhin zuverlässig kaufen, gibt es insgesamt immer weniger Menschen, die regelmäßig Brille tragen. Gelegenheitsnutzer verhalten sich aktuell eher zurückhaltend – und die Zweitbrille steht eher selten oben auf Prioritätenlisten. Der durchschnittliche Verkaufspreis einer Korrekturbrille stieg jedoch und liegt nun bei rund 550 Euro – der Umsatzanstieg speist sich also weniger aus mehr Verkäufen als aus höherer Wertschöpfung pro Auftrag.
Augenoptik-Geschäft: Klare Positionierung ist der Schlüssel
Vor diesem Hintergrund gibt der ZVA eine Empfehlung, damit inhabergeführte Betriebe auch zukünftig robust aufgestellt bleiben: Der Schlüssel ist eine klare Positionierung – sei es über optometrische Leistungen, eine eigene Werkstatt oder eine bewusste Fokussierung auf bestimmte Teilbereiche der Augenoptik.
„Betriebe mit klaren Stärken und einem erkennbaren Profil haben langfristig die besseren Karten“, sagt Müller. Handwerkliche Qualität, fachliche Tiefe und persönliche Beratung gewinnen an Bedeutung – gerade in Zeiten, in denen Kunden genauer abwägen, wofür sie Geld ausgeben. Vertrauen, Kontinuität und Kompetenz werden damit zu echten wirtschaftlichen Faktoren.
Was also ist das Fazit? Grundsätzlich bestehe zunächst kein Grund zur Sorge, fasst Christian Müller zusammen. „Die Augenoptik ist keine Krisenbranche. Aber sie ist auch kein Selbstläufer.“ Im Vergleich zu vielen anderen Branchen zeigt sich die Augenoptik weiterhin bemerkenswert stabil und zumindest in Bezug auf die Nachfrage spielt ihr die demografische Entwicklungen in die Karten.
- Augenoptik: Das sind die aktuellen Herausforderungen der Branche - 22. Januar 2026




