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Vorurteile über Myopie und Kontaktlinsen: Gespräch mit Lena Petzold von CooperVision

Kontaktlinsen gelten als vielversprechender Ansatz, um das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bei Kindern zu verlangsamen. Dennoch halten sich hartnäckig Vorbehalte – sowohl bei Eltern als auch auf fachlicher Seite. Wir haben mit Lena Petzold darüber gesprochen. Sie ist seit einem Jahr Professional Affairs Consultant DACH bei CooperVision und räumt ein für alle Mal mit den Vorurteilen auf.

Vorurteile über Myopie und Kontaktlinsen Gespräch mit Lena Petzold von CooperVision
Lena Petzold ist Professional Affairs Consultant DACH bei CooperVision und Myopie-Expertin.

Myopie-Management ist kein Hype – sondern zwingend notwendig

„Manchmal wirkt Myopie-Management wie ein Hype, dabei ist es seit über 20 Jahren ein ernstzunehmendes Thema“, sagt Lena Petzold. Sie verweist auf die Studienlage, insbesondere die Ergebnisse von Brien Holden, der Myopie ab −0,5 Dioptrien definiert: Demnach könnte jedes zweite heute geborene Kind im Alter von 20 Jahren kurzsichtig sein.

Myopie-Management ist also enorm wichtig – und ein Baustein können hierbei Kontaktlinsen sein. Aktuelle Produkte sind durchaus in der Lage, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit relevant zu verlangsamen: Das neueste Produkt von CooperVision beispielsweise, die MyDay® MiSight® 1 day, kann die Myopie-Progression laut interner Studien um bis zu 59 Prozent und das axiale Augenlängenwachstum um 52 Prozent verlangsamen.

MyDay MiSight 1day CooperVision Kontaktlinsen gegen Myopie

Kontaktlinsen und Kinder: Viele Eltern haben Vorbehalte

Trotzdem zögern viele Eltern, das Thema Kontaktlinsen mit ihren Kindern anzugehen. Viele haben die Sorge, Kontaktlinsen seien zu schwierig handzuhaben. „Da gibt es viele Vorbehalte – meistens sind es aber eher die Eltern selbst, die unsicher bei dem Thema sind.“ Die Realität sieht nämlich ganz anders aus. „Wenn ein Kind seine Schuhe binden kann, kann es theoretisch auch eine Kontaktlinse aufsetzen. Wichtig ist natürlich die richtige Hygiene und das Erlernen der Handhabung“, erklärt Petzold.

CooperVision MyDay MiSight 1day Kontaktlinse für Kinder Handhabung

Es gebe viele Mythen über Kontaktlinsen, die schlichtweg falsch sind, sagt Lena Petzold – so auch die Vorstellung, dass die Kontaktlinsen hinter das Auge rutschen könnten. „Das ist anatomisch gar nicht möglich“, versichert Petzold.

Ganz generell sei die Sicherheit bei richtiger Anwendung sehr hoch. “Das zeigen auch Studien. Das Risiko ist minimal – meistens ist die Angst der Eltern viel größer.“

Dabei seien Kinder Kontaktlinsen gegenüber häufig aufgeschlossen: „Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass sie sich oft selbstbewusster fühlen, wenn sie Kontaktlinsen tragen. Beim Schulsport können sie sich freier bewegen, beim Spielen und im Unterricht können sie aktiv teilnehmen, ohne Einschränkungen“, erklärt Petzold.

Vorurteil: Myopie-Management bringt doch eh keinen Umsatz?

Aber auch auf Optiker-Seite gibt es Vorbehalte – zum Beispiel, dass Myopie-Management mit Kontaktlinsen aufwändig sei und kaum Umsatz bringe. Und klar: Zunächst ist das Thema mit Investitionen verbunden, aber Lena Petzold räumt ein: „Langfristig lohnt es sich. Kinder, die mit Myopie-Management versorgt werden, bleiben Kunden, brauchen kontinuierlich neue Kontaktlinsen oder Brillen – und sie bringen oft ihre Eltern und Geschwister mit.“

Was können Augenoptiker tun, um Myopie-Kunden zu gewinnen?

Auch das Argument mancher Augenoptiker, in ihrer Gegend würde es gar keine Kunden für Myopie-Management geben, lässt Petzold nicht gelten: „Die Kunden sind da, man muss sie nur finden.“ Sie gibt Tipps, wie man sich einen Myopie-Kundenstamm aufbauen kann: „Man kann Kunden, die ins Geschäft kömmen, gezielt ansprechen: Sind die Kinder oder Enkel möglicherweise kurzsichtig? Oder gibt es einen Verdacht? Wann waren sie zuletzt beim Augenarzt? Und dann kann man sie einladen, die Kinder beim nächsten Mal einfach mitzubringen.“

Was außerdem immer funktioniere, seien Aktionstage: „Da kann man die Kinder spielerisch darüber aufklären, was Myopie überhaupt ist – und natürlich auch Eltern oder Lehrer. Da gibt’s viele Möglichkeiten, vielleicht sogar in Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten oder Sportvereinen.“ Ziel einer solchen Veranstaltung sollte sein, Eltern aufzuklären und noch am selben Tag einen Sehtest mit ihrem Kind zu machen – mit anschließender Terminvereinbarung zur Kontaktlinsenanpassung.

„Im Prinzip geht es immer darum, dass sich der Augenoptiker vor Ort ein kleines lokales Netzwerk aufbaut. Das ist immer der beste Weg“, sagt Lena Petzold. Um die Endkunden hierfür anzusprechen, unterstützt der Hersteller mit vielfältigem Marketingmaterial. 

Kurzsichtigkeit bei Kindern: Warum sollten Augenoptiker jetzt handeln?

Die Kurzsichtigkeit von Kindern nimmt zu – um zu sehen, welche Ausmaße die fortschreitende Myopie annehmen kann, genügt ein Blick nach Asien: Viele der dortigen Länder haben besonders hohe Myopie-Raten, mit bis zu 93 Prozent unter den jungen Erwachsenen ist Südkorea der globale Spitzenreiter. Deshalb ist es so wichtig, Myopie-Management ernst zu nehmen – und zwar auch über die Pubertät hinaus. „Viele glauben, mit 15 Jahren ist die Myopie stabil. Aber die Augenlänge kann bis Mitte, Ende 20 weiterwachsen.“

Wer das Thema Myopie jedoch konsequent angeht, kann durchaus zuversichtlich sein: „Wenn man rechtzeitig anfängt, können die Kinder später noch alles machen – sogar Pilot oder Polizistin werden, wo es vordefinierte Anforderungen an die Fehlsichtigkeit gibt.“ Und ganz nebenbei können sich Augenoptiker so von ihren Mitbewerbern abheben und zeigen: Ich kenne mich aus, ich biete Lösungen an, ich begleite Kinder auf ihrem Weg.

* Nach 1 Woche täglichem Tragen bewerteten 41 % die Handhabung als „ausgezeichnet“ (keine Probleme beim Ein- und Absetzen), 34 % als „sehr gut“ (gelegentliche Schwierigkeiten beim Ein- und Absetzen) und 22 % als „gut“ (einige Probleme beim Ein- und Absetzen, jedoch meist erfolgreich). † 94 % vs. 81 % nach 1 Woche täglichem Tragen, p = n. s.

Quelle: Daten von CooperVision, 2024. Prospektive, 1-wöchige, doppelmaskierte, bilaterale Studie mit MyDay MiSight 1 day. N = 33 Probanden im Alter von 8–18 Jahren.

Florian Fait